Diabetes? Frag die Zuckertante!

Diabetes? Frag die Zuckertante!

Fragen

Sie möchten

  • die Zuckertante etwas fragen?
  • der Zuckertante einfach erzählen, wie es Ihnen mit der Diagnose Diabetes geht?
  • mit der Zuckertante und anderen Diabetikern lustige, skurile, abenteuerliche Begebenheiten "aus dem Leben eines Diabetikers" teilen?
  • Oder Sie haben sonstige Anliegen?

Dann schreiben Sie der Zuckertante!  Mail an info (at) zuckertante.at

Die Zuckertante verspricht Ihnen, dass sie keine Ihrer Fragen als dumm oder peinlich abtun wird. Fragen Sie gerne auch scheinbar ganz Einfaches, Selbstverständliches! Das sind oft die interessantesten Fragen, weil es sich dabei meist um ganz Wichtiges, Grundlegendes dreht.

Die Zuckertante verspricht Ihnen, Ihre Fragen und Anliegen vertraulich zu behandeln und Ihre Daten keinesfalls irgendwohin weiter zu geben.

zt kopf kratzt kopfDie Zuckertante bemüht sich, auf alle Fragen innerhalb von drei Tagen zu antworten. Aber auch die Zuckertante ist manchmal schusselig oder vergesslich, oder sie hat sich eine Frage "für später" aufgehoben, um eine längere Antwort zu schreiben, ist dann aber irgendwie nicht dazu gekommen... wenn Sie also einmal keine Antwort bekommen solten, BITTE schreiben Sie nach drei Tagen noch einmal und erinnern Sie die Zuckertante! Sie dürfen dann gern ein bisschen meckern.

Fragen, die vieleicht auch für andere "Zuckerneulinge" interessant sind, merkt sich die Zuckertante. Sie verändert die Geschichten so, dass der Fragesteller auf keinen Fall erkannt werden kann, und erzählt davon hier:

  • Frage 1: Es ist sooo heiß - Zuckertante, wie ist das mit Eis? Darf ich Eis essen?


    Hmmm Eis! Wie immer bei  Fragen: "Darf ich...." :
    Sie entscheiden, ob Sie "dürfen" - besser: ob Sie wollen.

    Klar, Eis enthält Zucker. Aber gar nicht soo arg viel: Diabetiker, die mit Broteinheiten rechnen, wissen: eine kleine Kugel Eis = 1 Broteinheit, also 10  bis 12g Zucker. Zum Vergleich: eine Topfengolatsche hat ca 33 bis 45 g Zucker, ein Stück Gugelhupf auch. Jetzt klarer?
    Ich meine:  Es kommt drauf an, wie das Eis daherkommt. Eine oder zwei Kugeln Eis in einer Tüte (in einem Hörnchen) sind eine Sache, ein Riesen-Eisbecher mit Schlag (Sahne), Likör, picksüßem Überguss ist ganz was anderes...
    Für die meisten Diabetiker sollten ein bis zwei Kugeln Eis kein Problem sein - hin und wieder. Diabetiker-Eis gibts auch. Ausprobieren, kosten – manches davon schmeckt richtig gut. Bei guten Eissalons gibt es schon mehr Sorten als immer nur Vanille und Schoko!
    Wenn Sie noch immer unsicher sind, oder wenn es halt doch der große Eisbecher sein muss: probieren Sie es aus! Vorsichtig. Verantwortungsvoll. Verwenden Sie dazu unsere “geheime Geheimtest”-Anleitung!

  • Frage 2: Die burgenländische Hochzeit


    Frage: Eigentlich ist mein Zucker ganz gut eingestellt. Ich nehme Tabletten, Insulin spritze ich nicht. Mein letztes HbA1cwar 7,2%. Ich bin 74 Jahre alt. In 14 Tagen bin ich zu einer Hochzeit meiner Enkelin eingeladen - im Burgenland! WAS soll ich tun? Gar nicht hinfahren? Mehr Tabletten nehmen?

    JA, eine burgenländische Hochzeit ist eine Herausforderung! Nicht hingehen  - liebe Fragende, das geht gar nicht! So ein schönes Fest, da möchten Sie doch sicher dabei sein!

     hochzeitstorteFür alle Nicht-Österreicher: das Burgenland ist unser kleines östliches Bundesland. Burgenländerinnen sind berühmt für fantastische "Mehlspeisen". Eine richtige burgenländische Hochzeit auf dem Land dauert den ganzen Nachmittag und bis weit in die Nacht. In jedem Dorf gibt es Frauen, die besonders gute" Hochzeits-Mehlspeisen" machen, sie kommen mit Kofferräumen voller wunderbarer Kuchen, Torten, kleiner Gebäcksstücke.

    Ein-Mal ist Kein-Mal?

    Liebe Fragende, Sie sagen, Ihre Zucker-Einstellung ist gut. Gerade dann sollte es kein Problem sein, wenn Sie manchmal "die Diät vergessen", bei besonderen Gelegenheiten, wie Weihnachten, Geburtstage, Taufen oder Begräbnissen - und wie eben eine burgenländische Hochzeit!  Hin und wieder ein zu hoher Zuckerwert schadet Ihnen kaum, wenns bei "Hin und Wieder" bleibt, also wenn Sie ungefähr  eine solche Gelegenheit pro Monat haben.

    Tabletten

    Wenn Ihr Diabetes nur mit Tabletten gut eingestellt ist, dann heißt das ja, dass Ihre Bauchspeicheldrüse noch Insulin erzeugt. Das ist sehr gut, denn mit ein bisschen eigenem Insulin im Blut haben Sie einen ganz guten Schutz vor schweren Zuckerentgleisungen, die im Krankenhaus enden ("Ketoazidose"). Ich empfehle Ihnen, Ihr Blutzucker-Messgerät mitzunehmen und so alle zwei bis drei Stunden einmal nachzusehen, was Ihr Blutzucker macht. AN DIESEM EINEN TAG könnte man ihn schon bis gegen 250 oder 300 hochgehen lassen - wie gesagt, als absolute Ausnahme.

    Getränke

    Sie können darauf achten, nichts Süßes zu trinken, auch keinen Apfel - oder Hollersaft usw., auch nicht gespritzt (als "Schorle"). Bleiben Sie bei kalorienfreien Getränken, Mineralwasser, Cola light... und trinken Sie eher  viel.

    weinglas ja, aber vorsichtig. Eher keine Aperitifs (Zucker!), besser zum Essen ein oder zwei Glas Wein. Sekt zum Anstoßen nehmen Sie, besser ohne Orangensaft - Sie müssen ja das Glas nicht leer trinken, besser dann ein gutes Glas Wein zum Essen...Stoßen Sie an, wünschen Sie Glück, nehmen Sie einen Schluck und entsorgen Sie das Glas, Sie können es sicher irgendwo unauffällig abstellen. Keine scharfen Alkoholika, keine Süßweine.

    Vielleicht können Sie zwischendurch kurz "Luft schnappen" gehen, dabei aber nicht vor dem Lokal rumstehen, sondern eine flotte Runde drehen, vielleicht zu zweit oder zu dritt? Kurz mal rauskommen, etwa 20 Minuten spazieren gehen - ich denke dafür finden Sie recht leicht Begleiter, die auch über eine Unterbrechung froh sind. Wenn Sie gerne tanzen - bestens, das kann Ihrem Zucker nur gut tun!

    Mehr Tabletten nehmen?

    Wenn, dann nur nach RÜCKSPRACHE MIT IHREM ARZT!
    Bei den meisten Medikamenten bringt es nichts, wenn man einmal mehr davon nimmt, weil sie den Insulin-Spiegel nicht  erhöhen.
    Das gilt für alle Tabletten, die einen der folgenden Wirkstoffe enthalten: Pioglitazon (Actos, Competact),  SLGT2-Hemmer ( Forxiga, Jardiance...) DPPIV-Hemmer . Von diesen Tabletten also bitte nicht mehr nehmen! ( In unserer Medikamenten-Suchmaschine finden Sie schnell und einfach die Wirkstoffe und damit die Wirkweise Ihrer Tabletten ).

    Bei Metformin könnte eine zusätlziche Dosis ein bisschen helfen. Beachten Sie aber, dass 3000mg die erlaubte Höchstdosis pro Tag sind, und das auch nur, wenn Ihre Nieren ganz gesund sind und Sie auch sonst keine Krankheiten haben, die dem entgegenstehen (wie immer: Arzt fragen!).

    Sinnvoll könnte es bei den Sulfonylharnstoffen sein. Vorausgesetzt,  Sie nehmen noch nicht die Höchstdosis. Bei Tabletten, die Gliquidon, Glimepirid, Gliclazid enthalten, könnte eine zusätzliche Tablette während der Fresserei Sinn machen - aber bitte machen Sie das auf keinen Fall ohne den Rat Ihres Arztes!

    Also los - viel Spaß, genießen Sie die burgenländische Gastfreundschaft und das super Essen!

  • Frage 3: Ich habe Bulimie - und Diabetes!

    Hallo Zuckertante... ich hätt da eine spezielle Frage. Ich habe Bulimie, seit vielen Jahren schon. Ich geh zu einer netten Therapeutin, wir arbeiten dran, trotzdem gibts immer wieder die Fressanfälle und dann das Erbrechen. Ich bin endlich mal zum Arzt gegangen, Ergebnis: Typ 2-Diabetes! Nüchtern-Zucker knapp 200! Mein Arzt meint ich muss gleich Tabletten nehmen und regelmäßig essen wäre gut - wie soll denn das gehen, Diabetes und Bulimie?

    Ui, da haben Sie sich eine schwierige Kombination ausgesucht!
    Zuerst einmal gratuliere ich Ihnen, dass Sie so offen darüber reden.

    laufschuheGanz wichtig: DIE beste Hilfe bei erhöhtem Zucker, die es gibt, die steht auch Ihnen zur Verfügung: Bewegung! Nicht unbedingt Sport, nicht sich quälen, nur ein bisschen mehr Bewegung als bis jetzt. Es gibt keine Tablette, die so gut helfen kann. Wenn Sie ganz unsportlich sind, geht das auch - täglich, oder etwa fünfmal pro Woche 20 bis  30 Minuten gehen bringt dann schon ganz viel! Wenn Sie gerne Sport machen: Vielleicht können Sie ein bisschen mehr Ausdauer- und Krafttraining einbauen? Natürlich nur wenn Sie nicht ohnehin schon sehr viel bis zuviel Sport machen, was ja viele Leute mit Bulimie ohnehin tun!

    Natürlich klingt die Empfehlung "regelmäßig essen" für Sie wie Hohn...aber: es gibt viele Medikamente, bei denen regelmäßig essen nicht nötig ist.  Ich gebe Ihnen hier einen ganz kurzen Überblick. Wenn Sie über ein Medikament Genaueres wissen wollen, schauen Sie bitte auch in unserer Medikamenten-Suchmaschine nach!

    Metformin sollte immer als erstes Medikament versucht werden. Kommt darauf an, ob Sie es vertragen. Metformin kann in den ersten Tagen bei manchen Leuten leichten Durchfall und leichte Übelkeit verursachen - weil es schon im Darm wirkt. Aber das muss gar nicht so sein, die allermeisten vertragen es problemlos. Es ist so ein wertvolles Medikament, Sie sollten es wirklich versuchen, wenn bei Ihnen keine Kontraindikationen vorliegen (also keine anderen Erkrankungen, bei denen man Metformin nicht nehmen sollte).

    Das Beste: für sich alleine kann Metoformin keine Hypos (Unterzuckerungen) auslösen. Und man muss nicht regelmäßig essen, wenn man Metformin nimmt.

    Für Sie kann es beunruhigend sein, wenn es im Bauch ein bisschen rumort. Ich habe einmal eine Patientin mit Bulimie begleitet, die deshalb anfangs Metformin nicht gut vertragen hat, es aber noch einmal versuchen wollte: Da haben wir den Apotheker gebeten, ihr Kapseln mit nur 250 mg Metformin zu machen.

    Die übliche Dosis Metformin ist zweimal 1000 mg pro Tag, also 2000 mg.

    pillenÜblicherweise beginnt man mit 500 mg zum Frühstück.
    Wenn das vertragen wird, steigert man nach einigen Tagen auf 500 mg zum Frühstück und zum Abendessen.
    Dann morgens 1000mg und abends 500mg.
    Und zuletzt die volle Dosis: morgens und abends je 1000mg - das sollte so beibehalten werden. (Ausnahmen siehe auf der Metformin-Seite).

    Diese Patientin hat also mit 250 mg morgens begonnen, in einer Kapsel, und ist 2 Wochen lang dabei geblieben. Damit hat sie nur ganz am Anfang "ein bisschen was" gespürt, später gar nichts mehr. Und sie hat eben im Zwei- bis Drei-Wochenrhythmus gesteigert, bis sie die volle Dosis Metformin vertragen hat. Vielleicht könnte das für Sie auch eine Möglichkeit sein?

    PS: Die meisten Metformin-Tabletten enthalten Laktose, es gibt aber auch welche ohne, falls das für Sie wichtig ist. Apotheker fragen - gegebenenfalls Metformin einer anderen Firma verwenden.

    Die anderen Medikamente - wenn Metformin nicht mehr ausreicht:

    • Piogltazon (Actos) käme für Sie in Frage, wenn bei Ihnen Insulinresistenz vorliegt - also zB wenn Sie recht dick sind und speziell wenn Sie einen großen Bauch haben. Näheres bitte bei Pioglitazon nachlesen! Bei Pioglitazon brauchen Sie auch nicht regelmäßig zu essen.
    • DPPIV-Hemmer (Januia, Galvus, Trajenta...)können eine sehr gute Möglichkeit sein, sollten Ihnen kaum Probleme machen. Wenn Sie eins davon nicht vertragen, wenn Sie zB Übelkeit spüren, zahlt es sich aus, eines der anderen aus dieser Gruppe zu versuchen. Auch hier: regelmäßiges Essen nicht nötig!
    • SGLT2-Hemmer (Forxiga oder Jardiance): Ich kenne Sie nicht - aber das könnte ich mir bei Bulimie besonders gut als zweites Medikament nach Metformin vorstellen oder wenn Sie Metformin  nicht vertragen. Es wirkt an der Niere und bewirkt, dass die Niere mit pillen2dem Harn dann vermehrt Zucker ausscheidet, wenn der Blutzuckerspiegel zu hoch ansteigt. Holt Ihnen also die "Zucker-Spitzen" nach dem Essen ein bisschen runter.  Ist sicher eine Überlegung wert. Natürlich auch hier: kein regelmäßiges Essen nötig!
    • Sulfonylharnstoffe (Diamicron, Amaryl...): Da wird es schwierig. Das sind zwar starke verlässliche Diabetesmedikamente, aber sie erhöhen den Insulinspiegel über viele Stunden. Das heißt, das sind die Medikamente, bei denen man regelmäßig essen, also "Kohlenhydrate nachfüllen" muss. Versuchen Sie, die eher zu vermeiden.

    pen gruen

     

    Insulin: Als abendliches ("bedtime") Insulin gegeben, das Ihnen hilft, einen schönen Nüchtern-Blutzucker zu haben: Prima. Meist in der Kombination mit Tabletten tagsüber. Absolut empfehlenswert. Besonders, wenn das Hauptproblem die erhöhten Nüchternblutzucker sind. Achtung: als beditme-Insulin werden immer eher länger wirkende Insuline verwendet, man spritzt sie ja am Abend und möchte damit den Nüchternblutzucker senken.

    Achtung: Bei Fressanfällen nachts  mit so einem Insulin "mal schnell bisschen mehr" zu spritzen, um das Mehr an Essen abzufangen...  das ist äußerst problematisch! Weil das Insulin eben lange wirkt und eine erhöhte Dosis noch nach vielen Stunden eine Unterzuckerung, einn Hypo auslösen kann. Natürlich kommt man schnell auf die Idee: "Das war jetzt so viel Essen, da spritz ich einfach ein bisschen mehr vom Abendinsulin". Tun Sie's nicht! (oder nur, wenn Sie wirklich schon genug Erfahrung mit Ihrem Insulin haben!)

    Als Insulin tagsüber, vielleicht dazu noch in der Form von zweimal täglich Mischinsulin: da sind regelmäßige Mahlzeiten wichtig, und Sie können bei dieser Therapie die Insulinmenge kaum anpassen, wenn Sie einmal viel mehr und einmal fast nichts und einmal "keine Ahnung, wie viel da war" essen.

    Deshalb, wenn es ohne Tabletten nicht geht, wenn auch abendliches Insulin alleine nicht mehr ausreicht: Besser gleich die "intensivierte Insulintherapie" lernen, bei der man zum Essen immer so viel kurz wirksames Insulin spritzt,torte wie der Körper zum Verarbeiten des Essens gerade braucht (Broteinheiten berechnen). Muss man lernen, ist anfangs anstrengend, gibt aber enorm viel Freiheit, gerade für Leute mit ganz unregelmäßigem Essen. Wenn Sie beim Essen vorab nicht einschätzen können, wie viel Sie essen werden bzw. wieviel davon "unten bleiben"  wird, können Sie das Insulin auch NACH dem Essen spritzen. Ist nicht ganz ideal, aber durchaus machbar . Wenn Sie Insulin auch tagsüber brauchen, ist die "intensivierte Insulintherapie" sicher die beste und im Endeffekt einfachste, weil flexibelste Therapie! Der anfängliche Aufwand lohnt sich unbedingt!

    Ganz zum Schluss noch ein Tipp einer Bulimikerin, die Typ 1 Diabetikerin ist, die also selbst kein Insulin produziert und die zu jedem Essen schnell wirksames Insulin spritzen muss. Und zwar immer die richtige Menge Insulin für das, was sie gerade gegessen hat.bombe zuendschnur Sie sagt: "Für mich ist es wichtig zu wissen, wann alles wieder draußen ist ... ich mach das mit Rote-Rüben (rote Bete) Saft vorher, dann seh ich es schon..."

  • Frage 4: Der Zucker ist morgens höher als am Abend!

    Frage: Hallo Zuckertante, die Werte sind schon etwas besser abends und tagsüber - aber komischerweise morgens höher als abends, ohne dass ich etwas dazwischen esse, evt. ein halbes Glas Wasser, sonst nichts...

    Morgens höhere Zuckerwerte als beim Schlafengehen – darüber ärgern sich viele Diabetiker! Wo man doch dazwischen gar nichts gegessen hat…. Es gibt einen ganz logischen Grund dafür.

    Die morgendliche “Aufwachreaktion”.

    Um die zu verstehen müssen wir uns ein bisschen mit anderen Hormonen als nur dem Insulin beschäftigen:

    Säugetiere - und Menschen! - wachen morgens auf, wenn es hell wird. Das Munterwerden wird von Hormonen gesteuert. In den frühen Morgenstunden produziert die Nebenniere etwas mehr von den Stresshormonen Adrenalin und Noradrenalin. Gesteuert durch den Hell-Dunkel-, den Tag-Nacht-Rhythmus beginnt das jede Nacht in den Stunden bevor es hell wird.

    Die beiden Stress-Hormone stellen den Körper langsam auf das Aufwachen, auf den kommenden Tag ein. Das Herz schlägt schneller, der Blutdruck steigt ein bisschen - und die beiden befehlen auch der Nebenniere, wieder mehr Cortisol herzustellen.

    Cortisol

    Cortisol ist die natürliche Form von Cortison. Wir alle haben dauernd Cortisol im Körper, es ist ein wichtiges Hormon, das mit Wachsein, Energie haben, Infekte abwehren usw. zu tun hat. Das Cortisol möchte den Körper “auf Touren” bringen. Es sagt der Leber, sie soll Zucker aus ihren Speichern ins Blut rinnen lassen. Das tut die Leber dann auch brav, und so wird der Zucker im Blut mehr, das kann man messen: Der Blutzuckerspiegel steigt an, das ist so bei jedem Menschen in den frühen Morgenstunden.

    weckerBei gesunden Menschen merkt die Bauchspeicheldrüse mit ihren Sensoren, dass da jetzt mehr Zucker im Blut herumschwimmt. Als Antwort beginnt sie, in den frühen Morgenstunden mehr Insulin ins Blut abzugeben und auch gleich neues nachzuproduzieren. Aufgabe von Insulin ist ja, Zucker aus dem Blut in die Körperzellen einzuschleusen, vor allem auch in die Muskelzellen. Muskelzellen brauchen kleine Zuckerspeicher, damit sie schnell und kräftig und zuverlässig arbeiten können. Es ist eine gute Idee, die Speicher vollzufüllen, bevor das Tierchen oder der Mensch aufwacht. Wenn alles gut funktioniert, sind die Muskeln beim Aufwachen voll Energie - der Tag kann beginnen. So sollte das sein. Aber bei Diabetikern….

    Da möchte ich Ihnen was erzählen: Bei Löwinnen ist das ein bisschen anders, die jagen ja in der Nacht. Die brauchen volle Muskelspeicher spätabends. Und da beginnt der Anstieg der Stresshormone abends, wenn sich das Licht in der Steppe ändert, wenn die Abenddämmerung beginnt. So geht die Löwin mit Muskeln voller Zucker in die Nacht und hat dann genug Kraft und Ausdauer zu Jagen - ist doch faszinierend!

    Bei Diabetikern kann es sein, dass das Ganze nicht so perfekt funktioniert. Wie bei allen Menschen steigen auch bei Diabetikern die Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin in den Morgenstunden an, sie mobilisieren Cortisol, das Cortisol bewirkt den Zuckerausstrom aus der Leber. Bis daher läuft alles ab wie bei Gesunden.

    Aber die Bauchspeicheldrüse von Diabetikern hat oft Schwierigkeiten, auf diesen Zuckeranstieg im Blut mit ausreichend Insulin zu antworten. Bei vielen Diabetikern schafft sie es nicht,  dieses zusätzliche  Insulin schnell bereit zu stellen.

    So ist durch  den Zuckerausstrom aus der Leber der Zucker im Blut mehr geworden. Wenn zu wenig Insulin im Blut herumschwimmt, dann ist da keiner, der den Zucker in die Zellen räumt - und der Zucker bleibt länger im Blut. So kommt es, dass Diabetiker mit einem Blutzucker von 100mg% schlafen gehen und mit einem Blutzucker von 200mg% aufwachen können - OHNE dazwischen etwas gegessen zu haben!

    Dieser Effekt ist bei verschiedenen Diabetikern ganz verschieden stark.

    ”Naja, einige sind halt unseren Vorfahren in der Steppe und im Urwald noch ähnlicher… ;) . Sie können das ein bisschen verbessern, wenn Sie Ihren Stoffwechsel ankurbeln. Das geht am besten durch Bewegung!”

    Wie darauf reagieren?

    Solange der morgendlichen Blutzuckeranstieg nicht allzu ausgeprägt ist, so lange Sie morgens keine allzu hohen Blutzuckerspiegel  messen, muss man auch nicht unbedingt gleich etwas dagegen tun - wenn die Zuckereinstellung sonst passt und das HBA1c im Zielbereich ist.
    Der morgendliche Zuckeranstieg ist nämlich medizinisch schwer zu beeinflussen: es gibt keine Tablette, die man abends einnimmt und die dann erst morgens wirkt. Wenn man dagegen angehen will oder muss, weil der Anstieg doch zu stark ausfällt, dann sollte die Bauchspeicheldrüse nachts und vor allem in den Morgenstunden ein bisschen unterstützen, indem man abends ein wenig von einem länger wirkenden Insulin spritzt. Details dazu finden Sie unter “Insulin zur Schlafenszeit -bedtime Insulin“.

  • Frage 5: Typ 1,2, 3 oder doch LADA?

    Frage: Soo hallo ich trau mich fragen *gg* Was für Diabetes könnt ich denn haben?  Hab Diabetes erst seit einem Jahr, vorher nicht,  bin 49 Jahre und schlank, hatte Bauchspeicheldrüsenentzündung akut mit Lebensgefahr im Winter 2015 . Jetzt hat ein Arzt gesagt ich bin Typ 3. Ich lese aber nur von Typ2 oder Typ 1 aber auch von LADA und hab extra deshalb auch auf Lada untersuchen lassen  und hab dafür extra bezahlen nüssen….bin angeblich lt. dem Arzt von heute  kein LADA Ich hoff es stimmt so, aber bitte welche Werte am Blutbefund sagen nun echt aus ob man ein LADA Typ ist???? Ganz liebe grüsse Hannes

    Fein, dass Sie sich fragen trauen! Sie sind seit einem Jahr Diabetiker und fragen sich, welchen Typ Diabetes Sie haben. Und da schwirren jetzt die Begriffe, LADA, Typ 3 usw herum.Die Antwort wird Ihnen wahrscheinlich nicht sehr gefallen, aber leider ist es so: sehr oft kann man das einfach nicht genau sagen. Warum?

    Gehen wir es der Reihe nach durch:

    Typ 1 Diabetes

    das ist ja die Form, bei der Ihr Körper selbst ganz besondere Eiweiße („Antikörper“) entwickelt, die bewirken, dass Ihre Bauchspeicheldrüse immer weniger und weniger Insulin herstellen kann. Dass Sie dann sehr schnell so wenig Insulin im Körper haben, dass Sie es mit Spritzen ergänzen und später ganz ersetzen müssen.

    LADA-Diabetes:

    der läuft eigentlich fast genau so ab wie der Typ 1 Diabetes, nur viel, viel langsamer. Über Monate und Jahre. So dass Menschen mit LADA Diabetes sehr oft anfangs als Typ 2 Diabetiker behandelt werden.

    Bei beiden Diabetes-Formen, beim Typ 1 und beim LADA, bildet der Körper ganz spezielle Abwehrstoffe, eben die „Antikörper“, gegen genau die Zellen in der Bauchspeicheldrüse, die das Insulin produzieren. Und diese Antikörper kann man versuchen, im Blut zu finden. Die beiden wichtigen sind ICA (=Inselzellantikörper) und GADA (=Antikörper gegen das Enzym Glutamat-Decarboxylase).

    Ich nehme an, dass die bei Ihnen bestimmt wurden.

    Das Schwierige dabei ist: WENN Ihre ICA- und /oder GADA-Werte hoch sind, dann haben Sie den Beweis, dass Sie diese Antikörper im Blut haben, und dass Sie daher einen Typ 1 oder LADA Diabetes haben. Bei sehr hohen Werten eher den Typ 1. So weit, so klar.

    ABER: wenn der Wert negativ ist, beweist das leider gar nichts. Dann können Sie noch immer nicht ganz sicher sein, dass Sie KEINEN Typ 1 oder Lada haben. Weil die Antikörper nicht immer regelmäßig produziert werden.

    Das heisst jetzt für Sie: wenn in Ihrem Blut ICA oder GADA- Antikörper gefunden werden, dann müssen Sie damit rechnen, dass Ihr Diabetes auf längere Sicht nur mit Insulin gut einstellbar ist.

    That’s it. Nicht mehr und nicht weniger.

    pen_rotWas bringt es dann überhaupt, die Antikörper bestimmen zu lassen? Naja, wenn die gefunden werden, sollte man sich schon überlegen, rechtzeitig mit Insulin anzufangen und nicht erst lange mit Tabletten alleine herum zu probieren. Es dürfte auch so sein, dass eine frühe Behandlung mit Insulin die Betazellen entlastet und dass Sie dadurch noch länger eine Rest-Produktion von Insulin haben, so dass Ihr Zucker leichter einstellbar ist.

    Bei Ihnen kommt ja noch etwas dazu: Sie schreiben, dass Sie eine schwere Entzündung der Bauchspeicheldrüse hatten. Und dass Sie danach den Diabetes entdeckten. Da ist es schon wahrscheinlich, dass durch die Entzündung viele von den Betaellen zerstört wurden, also von den Zellen, die Insulin herstellen sollen. Somit hätten Sie einen „Typ 3 Diabetes“.

    Typ 3 Diabetes:

    Alle Diabetes-Formen,  die nicht Typ 1 oder Typ 2 oder LADA sind. Zum Beispiel eben, wenn man hohe Zuckerwerte hat nach einer Erkrankung oder Operation an der Bauchspeicheldrüse.

    Es gibt keine Blutwerte, die Ihnen „beweisen“, dass Sie Diabetes aufgrund der Bauchspeicheldrüsen-Entzündung haben.

    Sie sehen, alles nicht so einfach. Zumindest in der Theorie nicht so einfach.

    In der Praxis ists leichter:

    Der Verlauf Ihrer Zuckerwerte zeigt Ihnen recht schnell, ob Sie Insulin brauchen. Wenn die Behandlung mit Tabletten nicht funktionieren will, wenn Sie immer wieder nach kurzer Zeit ein anderes oder ein zusätzliches Medikament brauchen, dann ist es sicher klüger, rechtzeitig mit Insulin zu beginnen. Eben weil ein Schaden an den Insulin-produzierenden Zellen durch die Krankheit wahrscheinlich ist.

    Wenn Ihre ICA- oder GAD- Antikörper hoch sind, dann ist eine schnelle Insulin-Therapie noch dringender. Das scheint aber nicht der Fall zu sein, Ihr Arzt hat Ihnen ja gesagt, dass die Werte ok sind.

    Ich verstehe schon, dass Sie das alles sehr beschäftigt. Ich frage mich aber auch ein bisschen, warum Sie sich gar so große Sorgen machen. Wenn Sie jetzt, nach über einem Jahr mit Diabetes, nach dem Diabetes-Typ fragen, dann, denke ich mir, könnte es sein, dass es mit Tabletten nicht mehr recht funktioniert und Ihnen zu Insulin geraten wird. Könnte dahinter stecken, dass Sie ein bisschen Angst vor der Insulin-Therapie haben?

    Wenn ja, dann hilft es Ihnen wahrscheinlich gar nicht, wenn ich Ihnen hier sage, dass das Insulin-Spritzen viel einfacher ist als Sie sich das jetzt vorstellen, dass es weniger wehtut als sich in den Finger zu stechen, um Blutzucker zu messen! Und dass Sie so vorsichtig mit Insulin beginnen können, dass Sie nicht befürchten müssen, gleich in eine Unterzuckerung, einen Hypo zu rutschen. Wenn Ihnen Ihre Zuckerwerte zeigen, dass Ihr Körper Insulin braucht, dann geben Sie es ihm!Suchen Sie sich gute, kundige Begleitung, zum Beispiel in einer Diabetes-Ambulanz. Und dann versuchen Sie es einfach! Sie werden überrascht sein, wie gut Sie sich fühlen, wenn Sie von diesem wichtigen Hormon wieder genug im Blut haben! Die Zuckertante grüßt und wünscht allzeit gute Werte!

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