Orforglipron Foundayo GLP1 Tablette - Zuckertante.at

Orforglipron Foundayo GLP1 Tablette

Titelbild Foundayo

Orforglipron (Foundayo): Die GLP-1-Tablette ist da –wirklich die bessere Wahl?

Am 1. April 2026 ist etwas passiert, worauf wir schon lange gewartet haben:

In den USA wurde eine tägliche GLP-1-Tablette zugelassen.
Der Name: Orforglipron (Handelsname: Foundayo)

Eine Tablette, die wirkt wie die Ozempic, Wegovy, Trulicity oder Mounjaro.
Also wie die GLP1-Hormone, diese „Darmhormone“, die den Blutzucker senken und beim Abnehmen helfen.
Das klingt ja sehr verlockend: keine Spritze mehr – einfach schlucken

Hier zuerst die Podcast-Episode zum Zuhören, dann die Zusammenfassung.
Links zu den Studien ganz am Ende!

Was ist das Besondere an Orforglipron?

Das wirklich Neue ist:
Das ist kein „nachgebautes Hormon zum Schlucken“, sondern ein neu entwickeltes kleines Molekül, das an derselben „Andockstelle“, also am selben Rezeptor wirkt wie die GLP1-Hormone.

Die Entwicklung begann schon 2010 in der Firma Chungai, an 2018 wurde es von Lilly weiter entwickelt und nun eben auf den markt gebracht – hier sieht man, WIE lang die Entwicklung neuer Medikamente braucht!

Es gab ja schon bisher ein „GLP1-Medikament“ zum Schlucken: Rybelsus (Semaglutid – das Hormon in Ozempic und Wegovy)

Rybelsus (orales Semaglutid) = echtes Hormon zum Schlucken

Orforglipron = neues kleines Molekül, das die gleiche Wirkung nachahmt

Und dadurch ergibt sich ein Vorteil im Alltag.

Rybelsus oder Orforglipron?

Rybelsus – die „Ozempic-Tablette“:
wirkt gut, aber die Einnahme ist… sagen wir: etwas schwierig, weil Rybelsus direkt aus dem Magen aufgenommen wird.

So muss Rybelsus eingenommen werden:

  • morgens nüchtern
  • mit max. 120 ml Wasser
  • danach 30 Minuten nichts essen
  • nichts trinken
  • keine anderen Medikamente

Und das ist im echten Leben manchmal mühsam, gerade wenn man morgens noch andere Medikamente nehmen muss und wenig Zeit hat

Das neue Orforglipron (Foundayo) wird einmal täglich und völlig unabhängig von Mahlzeiten eingenommen.

Das ist sicherlich etwas angenehmer.

Wie gut wirkt Orforglipron bei Typ-2-Diabetes?

Für Diabetes gibt es noch keine Zulassung, aber schon gute Daten. Die wichtigsten kommen aus den ATTAIN- und ACHIEVE-Studien.

ATTAIN-2  (über 1600 Menschen mit Typ-2-Diabetes, 72 Wochen)

Gewichtsabnahme: −5,5 % bis −10,5 %

HbA1c-Verbesserung: −1,3 % bis −1,8 %. 75 % der Teilnehmer erreichten HbA1c ≤ 6,5 %

Das ist eine sehr gute Wirkung eines Diabetes-Medikamentes!

ACHIEVE-3 Studie (direkter Vergleich mit Rybelsus)

Hier wird es spannend:

HbA1c – Verbesserung:

  • Orforglipron: −2,2 %      
  • Rybelsus: −1,4 %

Gewichtsabnahme:

  • Orforglipron: −9 %
  • Rybelsus: −5 %

Zumindest in dieser Studie wirkte die neue Tablette deutlich stärker

Gewichtsabnahme ohne Diabetes (ATTAIN-1)

bis zu −11 % Gewicht , über 50 % der Teilnehmer erreichen ≥10 % Gewichtsverlust

Also in etwa vergleichbar mit den Spritzen, aber nicht ganz gleich stark.

Eine spannende Frage: wie das Gewicht halten nach den "Abnehm"-Spritzen?

In der ATTAIN-Maintenance-Studie wurde untersucht:

Was passiert nach Absetzen von Wegovy / Zepbound?

Ergebnis: Wenn die Teilnehmer nach den Spritzen Orforglipron nahmen, betrug die Gewichtszunahme nur knapp 1 kg, also +0,9 kg

Wenn die Teilnehmer nach den Spritzen kein weiteres Medikament bekamen, war die Gewichtszunahme nach Wegovy (Ozempic) ca 5 kg, nach Zepbound /(Mounjaro) ca 9 kg.

Hier könnte die neue Tablette eine echte Rolle spielen.

Wichtig: Das Einschleichen

Auch Orforglipron wird nicht einfach in voller Dosis begonnen.

Start: 0,8 mg täglich, durch mindestens 30 Tage.
Dann langsam auf die weiteren Dosierungen steigern, aber nur so lange, bis ein guter Effekt sich einstellt. Auf dieser Dosis dann bleiben, bis die Gewichtsabnahme erreicht wurde  - und dann mit Arzt oder Ärztin überlegen, ob man das Medikament weiterhin nehmen soll, die Dosis reduziert oder langsam absetzt.

Die Orforglipron (Foundayo)-Tabletten  gibt es in folgenden 6 Dosierungen:
0.8 mg (= die Anfangs-Dosis) , 2.5 mg, 5.5 mg, 9 mg, 14.5 mg, or 17.2 mg

Es ist also wie bei allen GLP1-Medikamenten:
Der Körper muss sich daran gewöhnen

Nebenwirkungen – wichtig!

Orforglipron (Foundayo)

  • Übelkeit: 26–35 %
  • Durchfall: 21–25 %
  • Verstopfung: 20–27 %
  • Erbrechen: 13–24 %
  • Bauchbeschwerden: 12–16 %
  • Müdigkeit: 6–9 %

Das klingt nach häufigen Nebenwirkungen, aber andererseits: in den Studien haben nur 6 – 10% der Teilnehmer wegen Nebenwirkungen abgebrochen  - mehr als 90 von 100 habens weiterhin genommen!

Derzeit ist in Österreich das am häufigste verwendete GLP1-Medikamnet Ozempic/Wegovy 1 x wöchentlich als Spritze. Daher hie zum Vergleich hier die Häufigkeit der Nebenwirkungen von Semaglutid (Spritze, Ozempic/Wegovy):

  • Übelkeit: 15–25 %
  • Erbrechen: 5–10 %
  • Durchfall: 10–20 %
  • Studien-Abbruch: ca. 5–8 %

Also weniger Nebenwirkungen  - aber etwas komplizierter in der Einnahme.

Was bedeutet das für Sie?

Die Nebenwirkungen sind ähnlich – aber häufiger bei der  neuen Tablette

Unterzuckerungen – was muss man wissen?

Alleine bewirken die neuen Tabletten mit Orforglipron (Foundayo) kaum Unterzuckerungen = „Hypos“ =  Hypoglykämien

Das ist genau so wie bei allen GLP1-Medikamenten.

Auch hier: Achtung bei Insulin oder Sulfonylharnstoffen
Hier besteht ein erhöhtes Risiko.

Das betrifft jede Art der Insulin-Therapie und Tabletten aus der Familie der „Sulfonylharnstoffe“ wie Gliclazid (Diamicron) oder Glimepirid (Amaryl).
Die zusätzliche Behandlung mit einem GLP1-Medikament kann bewirken, dass Insulin oder die Tabletten reduziert werden können – das sollte rechtzeitig erfolgen. Also die Zuckerwerte gut beobachten!

Wer sollte es NICHT nehmen?

Wichtige Kontraindikationen:

  • medulläres Schilddrüsenkarzinom (auch in der Familie)
  • MEN1 / MEN2 (seltene hormonelle Erkrankungen, bei denen mehr als ein Hormonsystem betroffen ist)
  • Und natürlich nicht, falls man darauf allergisch reagiert ( wie bei allen Medikamenten)

Zusammenfassung:
Die Tablette Orforglipron (Foundayo)  ist ein medizinisch spannender Fortschritt.

Die Vorteile:

✔ Tablette statt Spritze
✔ keine Einnahme-Vorschriften
✔ gute Wirkung auf HbA1c und Gewicht

Die Nachteile:

✖ mehr Nebenwirkungen
✖ tägliche Einnahme

Und was heißt das jetzt ganz praktisch?

Die wichtigste Frage ist nicht: „Was ist das beste Medikament?“, sondern:
„Was ist das beste Medikament für SIE, für IHRE Situation?“

Für manche sind Tabletten DIE Befreiung vom Spritzen. Für andere ist die einmal wöchentliche Spritze angenehmer.

Dazu kommt noch, dass die mittlerweile schon „althergebrachten“ bewährten Medikamente große Vorteile bei Herz-Kreislauferkrankungen und bei Nierenschwäche gezeigt haben, zusätzlich zur Wirkung bei Diabetes und Übergewicht.

Also warten wir es ab – bis die Zulassung bei Diabetes in Europa kommt und bis wir weitere wissenschaftliche Ergebnisse haben!

Anhang: Wichtige Studien zu Orforglipron

Ein Teil der hier zitierten Daten stammt aus aktuellen Phase-3-Studien, die zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch nicht vollständig als Fachartikel publiziert sind. Dies ist bei neu zugelassenen Medikamenten üblich.

ATTAIN-1 (ohne Diabetes, Phase 3)
NEJM-Publikation (Abstract + PDF):

ATTAIN-1 – NEJM Abstract (Orforglipron bei Adipositas) 

Das ist die große Phase-3-Studie bei Adipositas ohne Diabetes (72 Wochen).
Hier sieht man erstmals die Wirkung als orales kleines Molekül.

ATTAIN-2 (mit Typ-2-Diabetes, Phase 3)
Lancet Abstract:

ATTAIN-2 – ScienceDirect (Abstract + Methoden)

Die Studie an über 1600 Menschen mit Typ 2 Diabetes, 72 Wochen
Hier sieht man den Effekt aufs HbA1c und aufs Gewicht.

ATTAIN Maintenance (Gewichtserhalt)

Hier gibt es noch keine peer-reviewte Vollpublikation, nur Kongress-/Presse-Daten.
hier bei der Firma Lilly selbst:
ATTAIN Maintenance

ACHIEVE-Programm (Typ-2-Diabetes)

Lancet / Review inkl. ACHIEVE-Programm Kontext

Hintergrund + Phase-2/3 Daten:

Review zu Orforglipron (MDPI, peer-reviewed)

Ich finde das alles spannend - und ich freue mich sehr, dass die Forschung immer weiter geht.
Es stehen uns viele spannende neue Entdeckungen noch bevor, und ganz neue Überlegungen zur Behandlung des Typ 2 Diabetes gibt es auch schon.

Ich bemühe mich, Wichtiges immer zeitnah zu berichten - in meinem Newsletter und in der neuen APP der Zuckertante, die finden Sie (nohc) nicht in den APP-stores, sondern hier:
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die Zuckertante Dr. Pusarnig


Die Zuckertante grüßt
und wünscht allzeit gute Werte!

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