Angst vor "zu guten" Zuckerwerten? - Zuckertante.at

Angst vor „zu guten“ Zuckerwerten?

Zuckerwerte ZU gut? Titel
Zuckertante

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Wie (fast) normale Blutzuckerwerte manchmal verunsichern

Menche Emails berühren mich wirklich: da schreibt jemand zum Beispiel:

„Es ist Freitag Abend und ich kann meinen Arzt nicht erreichen. Mein Nüchternblutzucker war heute 89. Gestern 78. Ein Bekannter, der aber Insulin spritzt, hat gesagt dass es gefährlich wird wenn der Blutzucker noch tiefer geht.
Was soll ich machen? Soll ich Traubenzucker essen?
Ich habe seit 6 Monaten Diabetes und nehme keine Medikamente“

Diese Sorgen sind verständlich, denn viele Menschen mit Typ-2-Diabetes haben ihre Diagnose mit sehr hohen Zuckerwerten bekommen. Wenn der Blutzucker dann plötzlich in Richtung Normalbereich fällt, fühlt sich das für manche erst einmal irgendwie falsch an.

Was sind eigentlich normale Blutzuckerwerte?

Zuerst einmal die wichtigste Frage: Was ist eigentlich normal?
Beim nüchtern gemessenen Blutzucker gelten ungefähr folgende Bereiche:

  • bis etwa 90 mg/dl: sehr schöne, gesunde Werte
  • bis 100 mg/dl: normal
  • 100–126 mg/dl: Risikobereich (Prädiabetes)
  • über 126 mg/dl: Diabetesbereich

Das bedeutet:
Wenn Sie nüchtern Werte von 89 oder 78 messen, dann sind das völlig normale Blutzuckerwerte – genau so, wie sie auch Menschen ohne Diabetes haben.

Und wenn solche Werte ein halbes Jahr nach der Diagnose auftreten, dann darf ich Ihnen ehrlich sagen:

Da haben Sie sicher sehr viel richtig gemacht.

Warum normale Werte sich manchmal „wie Unterzucker“ anfühlen

Es gibt allerdings einen interessanten Effekt:
Manche Menschen spüren Symptome, die sich wie eine Unterzuckerung anfühlen, schon bei Werten um 100mg/dl oder bei noch höhere Werten.  

Flaues Gefühl im Magen, leichte Übelkeit, Schwitzen, Konzentrationsprobleme… alles wie bei einer „echten“ Unterzuckerung, aber bei Werten die ganz normal oder sogar leicht erhöht sind.

Der Grund dafür: Das kommt bei Menschen vor, die längere Zeit sehr hohe Zuckerwerte hatten. Da hat sich auch das Gehirn daran gewöhnt und denkt sich: „Aha, Blutzucker 250, 300 ist bei uns wohl ganz normal“ – und findet sich damit ab.

Dann wird vielleicht eine Tabletten-Therapie begonnen, oder dieser Mensch beginnt auf einmal Diabetes-gerechter zu essen, mehr Bewegung zu machen… die Zuckerwerte senken sich.

Wenn nun die Werte deutlich niedriger liegen als in all den Wochen davor, kann das Gehirn zunächst glauben:

„Hilfe, der Zucker ist viel niedriger als wir gewöhnt sind!“
Es schlägt Alarm, obwohl der Wert medizinisch völlig normal ist. Und so kann man auch bei normalen oder leicht erhöhten Zuckerwerten Anzeichen von Unterzuckerungen, Hypos, spüren.

Das ist unangenehm, aber nicht gefährlich. Es ist ein gutes Zeichen – die Zuckerwerte sind besser!
Der Körper gewöhnt sich wieder daran.
Meist innerhalb weniger Tage oder Wochen. Man merkt dann, dass man keine Beschwerden mehr hat bei Werten, die davor noch als „zu tief“ gespürt wurden, obwohl sie gar nicht wirklich zu tief waren.

Wann der Blutzucker wirklich zu niedrig ist

Ganz wichtig: In diesem Artikel sprechen wir nicht über echte Unterzuckerungen.
Eine echte Hypoglykämie beginnt meist bei unter 70 mg/dl

Typische Symptome sind: starkes Zittern, Schwitzen, Übelkeit, Konzentrationsstörungen, Sprachprobleme

Das ist natürlich eine Situation, die behandelt werden muss – zum Beispiel mit Traubenzucker.

Aber diese echten Unterzuckerungen treten vor allem bei Insulin oder bestimmten Medikamenten auf.

Medikamente: Welche können Unterzuckerungen auslösen?

Die meisten modernen Diabetes-Medikamente senken den Blutzucker, ohne Unterzuckerungen zu verursachen.

Wenn man also diese Medikamente nimmt, und sich um gesundes Essen und Bewegung bemüht, dann soll es ja so sein, dass der Blutzucker absinkt!
Werte im Normalbereich sind dann kein Problem, sondern Anlass zur Freude!

Wichtig: es gibt eine Medikamentengruppe, die Hypos auslösen können, die Sulfonylharnstoffe

Dazu gehören Diamicron, Gliclazid, Glimepirid, Gliquidon
Bei denen muss man wirklich vorsichtig sein, wenn die Zuckerwerte zu sinken beginnen.
Diese Medikamente stimulieren die Bauchspeicheldrüse, ständig mehr Insulin zu produzieren. Wenn sich die Zuckerwerte stark verbessern – etwa durch Gewichtsabnahme oder mehr Bewegung – können sie plötzlich zu stark wirken.

Das merkt man daran, dass die Zuckerwerte sich schnell senken.
Dann müssen sie oft reduziert werden, und vielleicht können sie auch ganz abgesetzt werden.

Wenn Insulin plötzlich „zu gut“ wirkt

Ähnliches kann passieren, wenn jemand nach der Diagnose mit Insulin begonnen hat.

Gerade nach einem Krankenhausaufenthalt kommt es häufig vor, dass Menschen mit relativ hohen Insulindosen entlassen werden.
Wenn sich dann durch Lebensstiländerungen der Zucker schnell verbessert, kann es passieren, dass das Insulin mehr Wirkung hat als nötig.

Das ist kein Problem – sondern eher ein gutes Zeichen.
Dann reduziert man die Insulindosis langsam und schrittweise.

Wichtig ist dabei nur, den Blutzucker regelmäßig zu messen und rechtzeitig zu reagieren.

Ein gutes Zeichen!
Sinkende Blutzuckerwerte sind fast immer ein gutes Zeichen.
Sie zeigen, dass Ihre Ernährung und Bewegung wirken, dass Ihre Medikamente helfen – so dass der Körper wieder besser mit Zucker umgehen kann

Typ-2-Diabetes bleibt aber eine chronische Erkrankung. Bei vielen Menschen kann der Zucker im Laufe der Jahre wieder steigen – selbst wenn sie weiterhin gesund leben.
Aber wenn Ihre Werte plötzlich in Richtung Normalbereich gehen, dann bedeutet das meist einfach:

Ihr Körper braucht im Moment weniger Unterstützung.

Und das ist etwas, worüber man sich ruhig freuen darf.

die Zuckertante Dr. Pusarnig


Die Zuckertante grüßt
und wünscht allzeit gute Werte!


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