Diabetes: erhöhtes Risiko für Corona? - Zuckertante.at

Diabetes: erhöhtes Risiko für Corona?

Diabetes und Corona

Menschen mit Bluthochdruck, mit Diabetes mellitus oder mit Übergewicht haben ein erhöhtes Risiko einer Infektion mit dem Corona Virus,  COVID 19. Wobei das Risiko bei guter Diabetes-Einstellung nicht höher sein dürfte als bei Gesunden.

Deshalb: alle Hygiene-Maßnahmen möglichst gut einhalten!

Ans Hände waschen denken, besonders:

  • beim Heimkommen
  • nach dem Auspacken der Einkäufe  
  • vor dem Zubereiten von Essen
  • vor dem Essen
  • nach dem Toilettengang.

Bitte die Hände ausgiebig waschen und lange genug.  Gut einseifen! Das Virus hat eine Hülle, die aus Fetten besteht - Seife zerstört sie und  "tötet" das Virus!
Man kann zum Beispiel leise – oder gerne auch laut – 2 Strophen singen von „Happy Birthday to you“ – und so lange sorgfältig waschen. Dabei die Daumen, die Handgelenke, die Handkanten, die Fingerspitzen  nicht vergessen!

Wenn man nun aber tatsächlich an Corona erkrankt ist?

Bei Kranken, die zuhause versorgt werden:

Diabetiker:

Wichtig: jetzt auf eine gute Diabetes-Einstellung achten!

  • Eher häufiger Blutzucker messen!
  • Ziel: Blutzucker zwischen 70 und 180 mg%,
  • keine Hypos,
  • HbA1c unter 7,5%,
  • Blutdruck unter 135/80


Wenn kein Diabetes bekannt ist:

Daran denken, dass sich ein Diabetes jederzeit neu zeigen kann – nicht jede Müdigkeit, Durst, Schwäche... auf die Krankheit schieben – eventuell einen Blutzucker-Test veranlassen.

Krank mit Diabetes

Das Folgende gilt für alle schwereren Krankheiten, nicht nur für Corona! 

Was ist überhaupt eine "schwerere Krankheit"?

Fieber über 38,5 Grad, starker Durchfall, starkes, meist mehrmaliges Erbrechen...  also nicht nur ein "typischer Infekt mit bisschen Husten und leichtem Fieber"! 

Für solche Krankheitszustände gilt:
Jeder Mensch mit Diabetes weiß es oder hat es selbst schon erlebt: bei Krankheit kann sich der Blutzucker stark ändern! Was also tun?

Ich bespreche hier zuerst die Besonderheiten bei Typ 1 und Typ 2 Diabetes und dann folgt die Liste der Medikamente, die jeder bei schwerer Krankheit eher absetzen sollte - aber nur nach Rücksprache mit dem Arzt, mit der Ärztin!

Typ 1 Diabetes

Wie immer gilt: „Nix ist fix“!
Soll heißen: wenn Sie bei einer Krankheit, einem Infekt, erlebt haben, dass der Blutzucker stark anstieg – und wenn Sie das durch Anpassen der Insulin-Dosis nach einigen Versuchen gut gemeistert haben: Das heißt nicht, dass das nun „immer bei Krankheit so ist“ – jeder Infekt, jede Krankheit ist anders – stellen Sie sich sicherheitshalber auf Überraschungen ein.

Ein paar Tipps:

  • Öfter messen – nicht seltener!

  • Immer wichtig: auf genug Flüssigkeits-Zufuhr achten Trinken Sie mindestens 1,5 – 2 Liter/Tag, bei Fieber oder Durchfall mehr

  • Wenn sie als Typ 1 Diabetiker einen SGLT2-Hemmer nehmen (Empaglifozin = Jardiance, Dapaglifozin = Forxiga): bei Fieber über 38,5 Grad, bei Durchfällen: absetzen! Auf jeden Fall daran denken, dass diese Medikamente ja Zucker über den Harn ausscheiden. Deshalb kann schon bei nur wenig erhöhten Blutzucker-Werten die Gefahr der Ketoazidose da sein– das übersieht man leicht, wenn es einem ohnehin aufgrund der Krankheit schlecht geht. Ketone messen! Auch schon bei Werten um 200mg%! Bei Unsicherheiten: Diabetes-Team anrufen!
  • Wenn Ihre Zuckerwerte während einer Krankheit deutlich erhöht sind und WENN Sie das „Okay“ haben von Ihrem Diabetes-Team, die Insulin-Dosis selbst anzupassen:
    Bedenken Sie bitte: wenn sich der Insulinbedarf generell ändert, müssen ALLE  Faktoren angepasst werden! Also: Wenn Sie zum Beispiel das Basis-Insulin um  X % erhöhen, dann müssen Sie auch „Insulin pro BE“ um X % erhöhen, und die Korrektur-Regel „Eine Einheit senkt um...“  um X % verringern. Bei sinkendem Insulinbedarf umgekehrt.

  • Wenn Sie die Insulin-Mengen erhöhen mussten: achten Sie darauf, rechtzeitig wieder zu  reduzieren, wenn Sie sich besser fühlen. Nicht vergessen! Richten Sie sich dabei nach den Zuckerwerten – natürlich – und auch danach, wie Sie sich fühlen.

Typ 2 Diabetes:


Bei Fieber über 38,5 Grad oder Fieber mit Schüttelfrost und Schweißausbrüchen, bei heftigem Erbrechen oder heftigem Durchfall, oder wenn man nicht genug trinken kann:

fragen Sie bitte Ihren Arzt, Ihre Ärztin:

„Soll ich meine Medikamente weiter nehmen?“

Bitte setzen Sie nicht selbständig Medikamente ab, außer Sie haben das mit Ihrem Arzt, Ihrer Ärztin so vereinbart.

Medikamente, auf die Diabetiker bei  Krankheit besonders achten müssen: das sind Medikamente, bei denen man sich überlegen muss, ob sie nicht besser während der Krankheit abgesetzt werden - bitte IMMER mit dem Arzt, der Ärztin besprechen! Nicht selbständig die  Behandlung ändern, außer SIe haben das so mit Ihrem Arzt besprochen.

Metformin:

Metformin, Glucophage, Diabetex,...
Das häufigste Diabetes Medikament. Dass eine Tablette Metformin enthält, dass erkennt man – außer am Namen – daran, dass das immer recht große Tabletten sind!
Besonders bei Erkrankungen im Magen oder Darm sollte Metformin abgesetzt werden, wie zum Beispiel bei heftigem Erbrechen oder bei heftigen Durchfällen.

Außerdem auch, wenn die Nieren nicht mehr so gut wie bei einem Gesunden arbeiten. Wenn das bei Ihnen schon bekannt ist, wird Ihr Arzt, Ihre Ärztin, nach einer schwereren Krankheit möglicherweise eine Blutuntersuchung machen, bevor er oder sie Ihnen wieder erlaubt, Metformin zu nehmen.

SGLT2-Hemmer

Forxiga, Jardiance, Synjardy, Qtern, Steglujan...
Das sind die Diabetes-Medikamente, die bewirken, dass bei erhöhtem Blutzucker Zucker, also Glukose, über die Nieren mit dem Harn ausgeschieden wird. Das kann im Krankheitsfall dazu führen, dass zu viel Flüssigkeit als Harn verloren geht.

Pioglitazon = Actos

Auch eher absetzen – mit dem Arzt besprechen!

Sulfonylharnstoffe

Glimepirid, Amaryl, Gliclazid, Diamicron, Gliquidon, Glurenorm ...
Diese Tabletten können meist weiter genommen werden, aber Achtung: SIe bewirken, dass die Bauchspeicheldrüse mehr und länger Insulin ausschüttet - daher könne sie Hypos (Unterzuckerungen) auslösen!

Denken Sie daran! Besonders, wenn Sie wegen Ihrer Krankheit weniger essen (können). Dann muss eventuell die Dosis reduziert werden.

Also: häufig den Blutzucker messen!

  •  bei Werten zwischen 80 und 100mg% sicherheitshalber etwas essen, das Kohlenhydrate enthält (ein kleines Stück Brot, oder 2 -3 Kekse, oder 1 Joghurt, 1 Protion Obst).
  • Bei Unterzuckerung (Hypo): sofort Traubenzucker - 4 Plättchen  oder 1/4 Liter Apfel- oder Orangensaft. Arzt anrufen!
    Einen Hypo merkt man durch Übelkeit, Schwitzen, Zittern, ...
    alles Anzeichen, die man im Krankheitsfall nicht leicht von der Krankheit unterscheiden kann, daher: häufig messen, bei Unklarheiten Arzt oder Ärztin anrufen!

Für alle – nicht nur für Diabetiker:

Sie sollten bei schwerer Krankheit Ihren Arzt, Ihre Ärztin fragen, ob Sie folgende Medikamente weiterhin nehmen sollen:

ACE-Hemmer:

Das sind Mittel gegen erhöhten Blutdruck, deren Name mit –pril endet, wie zum Beispiel Enalapril, Ramipril,...

Sartane:

Das sind auch Mittel gegen Bluthochdruck, deren Name mit -sartan endet, wie zum Beispiel Candesartan, Losartan...

Diuretika:

Entwässerungsmittel. Besonders wenn Sie Flüssigkeit verlieren durch hohes Fieber, Schwitzen und erst recht bei heftigem, häufigen Durchfall und Erbrechen sind Medikamente nicht sinnvoll, die dem Körper noch mehr Wasser entziehen. Aber Achtung:  es kann – besonders bei Patienten mit Herz-Erkrankungen – manchmal  Ausnahmen geben. Deshalb: NICHT selbständig absetzten, Arzt oder Ärztin fragen!
Bekannte Entwässerungsmittel sind: Lasix, Furon, Furosemid, Aquaphoril, Aldactone, Spironolacton,...

Schmerzmittel – „Nicht Steroidale Antirheumatika“

So ein komplizierter Name! Der steht für so gut bekannte Medikamente wie:
Ibuprofen, Voltaren = Diclofenac, Naproxen...
Vielleicht wundern Sie sich jetzt, weil manche dieser Mittel durchaus empfohlen werden, wenn man zum Beispiel erkältet ist oder ein wenig Fieber hat: das ist auch richtig so, vor allem wenn die Nieren gesund sind.  Wir reden hier ja von schwereren Erkrankungen, und da sollten Sie besser fragen bevor Sie eins dieser Medikamente nehmen.

Schmerzmittel – Opiate

Das sind sehr starke Schmerzmittel. Wenn Sie eines davon verwenden, werden Sie ohnehin in engem Kontakt mit Ihrem Arzt, Ihrer Ärztin sein, und können mit ihm oder mit ihr besprechen, wie Sie sich  damit verhalten sollen.

Passen Sie auf auf sich – und werden Sie schnell gesund!

  • Ich hätte nur eine KORREKTURANMERKUNG:

    Am Beginn zu TYP 2 DIABETES scheint zumindest bei mir die Fieberangabe falsch mit 3,5 auf ich denke Sie meinen 38,5

    Ev. können und wollen Sie dies korrigieren.

    Mit lieben Grüßen Manuela


  • >
    Dr. Susanne Pusasrnig

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