Blutzucker nach Bewegung höher - Zuckertante.at

Blutzucker nach Bewegung höher

BZ nach Bewegung höher

Warum steigt der Blutzucker nach Bewegung manchmal an?

"Ich hab Bewegung gemacht, Frau Doktor. Fast eine Stunde lang war ich unterwegs. Ich bin flott gegangen, schneller als sonst. Es war richtig anstrengend. Und dann schau ich auf meinen Blutzucker – und der war höher als vorher!"

Wenn Sie mit Typ-2-Diabetes leben, haben Sie vielleicht genau so etwas schon erlebt. Und wahrscheinlich haben Sie sich dabei gedacht:

"Das gibt's doch nicht! Es heißt doch immer, Bewegung senkt den Blutzucker!"

Ja, normalerweise tut sie das auch. Aber manchmal eben nicht. Manchmal bleibt der Zucker gleich. Manchmal fällt er. Und manchmal steigt er sogar an.Das ist verwirrend. Es macht viele Menschen unsicher. Und manche verlieren dadurch sogar die Lust an der Bewegung. Oder sie denken:

„Bei mir ist eben alles anders. Egal was die Ärzte sagen!“

Dabei wäre das wirklich schade. Denn ein höherer Blutzucker nach einem Spaziergang bedeutet noch lange nicht, dass die Bewegung umsonst war. Ganz im Gegenteil.

Der Muskel ist ein großer Zuckerverbraucher

Damit wir verstehen, warum der Blutzucker manchmal steigt, müssen wir zuerst einen Blick in die Muskelzelle werfen.

Unsere Muskeln leisten den ganzen Tag Arbeit. Sie tragen uns durch die Welt. Sie ermöglichen es uns zu gehen, Treppen zu steigen, den Einkauf zu tragen, im Garten zu arbeiten oder mit Kindern zu spielen.

Arbeit braucht Energie. Muskelarbeit ist „physikalische“ Arbeit!Die wichtigsten Energielieferanten für die Muskelzelle sind:

Glukose (Zucker) und Fettsäuren (Fett)

Wenn Sie sich bewegen, brauchen die Muskelzellen mehr Energie als im Ruhezustand. Deshalb versuchen sie auch, mehr Zucker aus dem Blut aufzunehmen. Das hat normalerweise einen angenehmen Nebeneffekt:
Der Blutzucker sinkt.

Die Muskelzelle hat einen besonderen Trick

Bei Typ-2-Diabetes sprechen wir oft von der Insulinresistenz. Das bedeutet: Das Insulin kann nicht mehr so gut wirken wie früher. Die Muskelzellen reagieren träger auf das Hormon und nehmen Zucker schlechter auf. Doch die Muskelzelle besitzt einen kleinen „Geheimtrick“.

Während körperlicher Aktivität öffnet sie zusätzliche "Zuckertüren". Wissenschaftlich gesprochen wandern sogenannte GLUT4-Transporter an die Oberfläche der Muskelzelle.

Das Ergebnis:

Der Zucker kann leichter in die Muskelzelle gelangen – selbst dann, wenn die Insulinwirkung eingeschränkt ist. Genau deshalb ist Bewegung bei Typ-2-Diabetes so wertvoll. Sie hilft dem Körper dabei, einen Teil der Insulinresistenz zu umgehen.

Oder anders gesagt:
Die Muskelzelle wird während der Bewegung besonders hungrig auf Zucker.

Und warum steigt der Zucker dann trotzdem?

Jetzt wird es spannend. Denn während die Muskelzellen mehr Zucker aufnehmen möchten, passiert gleichzeitig noch etwas anderes.

Der Körper merkt:

"Aha, mein Mensch bewegt sich. Wir brauchen mehr Energie!"

Und deshalb werden verschiedene Hormone ausgeschüttet:
Adrenalin - Noradrenalin  - Cortisol
Diese Hormone haben einen klaren Auftrag:

Mehr Energie bereitstellen.

Die Leber wird zum Zuckerlieferanten

Unsere Leber ist so etwas wie die Vorratskammer des Körpers.Sie speichert Zucker und kann ihn bei Bedarf wieder freigeben.

Sobald Bewegung beginnt, bekommt die Leber die Nachricht:

"Die Muskeln brauchen Treibstoff!"

Also schüttet sie Zucker ins Blut aus. Das ist völlig normal. Genau so soll es sein.

Bei Stoffwechselgesunden läuft das perfekt

Bei Menschen ohne Diabetes funktioniert dieses Zusammenspiel meist wunderbar.mDie Leber gibt Zucker ins Blut ab. Die Muskeln nehmen Zucker auf. Das hält sich ungefähr die Waage.Der Blutzucker bleibt stabil oder sinkt leicht.

Bei Typ-2-Diabetes ist die Sache komplizierter (wieder einmal…)

Hier kommen mehrere Faktoren zusammen.

1. Die Muskelzellen reagieren schlechter auf Insulin
Der Zucker gelangt nicht so rasch in die Zellen wie bei Stoffwechselgesunden.

2. Die Leber hört nicht immer auf die richtigen Signale
Auch die Leber kann insulinresistent sein. Dann produziert sie oft mehr Zucker als eigentlich notwendig wäre.

3. Die Bauchspeicheldrüse arbeitet langsamer
Viele Menschen mit Typ-2-Diabetes können nicht schnell genug zusätzliches Insulin ausschütten.

Und genau dadurch entsteht manchmal folgende Situation: Die Leber liefert Zucker ins Blut. Die Muskelzellen verbrauchen zwar Zucker.Aber die Leber liefert mehr nach, als die Muskeln aufnehmen können.

Das Ergebnis:
Der Blutzucker steigt.

Besonders häufig bei Untrainierten

Viele Menschen berichten von höheren Zuckerwerten nach Bewegung, wenn sie gerade erst begonnen haben, sich mehr zu bewegen.

Das ist überhaupt nicht überraschend. Denn für den Körper ist dieselbe Belastung je nach Trainingszustand etwas völlig anderes.

Für einen trainierten Menschen ist ein 45-minütiger Spaziergang oft reine Routine. Für jemanden, der lange keinen Sport gemacht hat, kann derselbe Spaziergang eine echte Herausforderung sein.

Der Körper reagiert dann mit mehr Stresshormonen, stärkerer Aktivierung der Leber, und dann kommt es zu einer größerer Zuckerfreisetzung. Die Muskelzellen sind die Belastung einfach noch nicht gewohnt!

Bewegung wird leichter – auch für die Muskelzellen

Die gute Nachricht: Unser Körper lernt. Und zwar erstaunlich schnell.

Wenn Sie regelmäßig Bewegung machen, passiert Folgendes:

  • Die Muskelzellen reagieren besser auf Insulin.
  • Die Insulinresistenz nimmt ab.
  • Mehr GLUT4-Transporter stehen bereit.
  • Die Stressreaktion wird geringer.
  • Die Leber reagiert angemessener.

Kurz gesagt:
Die Organe lernen wieder besser zusammenzuarbeiten.

Viele Menschen beobachten deshalb nach einigen Wochen, dass die Zuckeranstiege nach Bewegung seltener werden. Und oft werden die Werte insgesamt besser, zum Beispiel auch nüchtern

Nicht auf den einzelnen Wert fixieren

Das ist vielleicht die wichtigste Botschaft dieser ganzen Geschichte.Ein einzelner Blutzuckerwert erzählt nie die ganze Geschichte!

Wenn Ihr Zucker nach einem Spaziergang einmal höher ist als davor, bedeutet das nicht automatisch, dass die Bewegung nichts gebracht hat. Viel wichtiger sind Fragen wie:

  • Wird mein Nüchternzucker langsam besser?
  • Verbessert sich mein HbA1c?
  • Verbringe ich mehr Zeit im Zielbereich?
  • Fühle ich mich fitter als vor einigen Wochen?

Gerade diese langfristigen Veränderungen zeigen oft viel deutlicher, was die Bewegung tatsächlich bewirkt.

Also: Lassen Sie sich nicht entmutigen!

Wenn Ihr Blutzucker nach einer Bewegung einmal höher ist als vorher, dann bedeutet das nicht, dass bei Ihnen etwas falsch läuft. Es bedeutet auch nicht, dass die Bewegung umsonst war.

Oft zeigt es lediglich, dass Ihr Körper gerade dabei ist, Energie bereitzustellen und sich an diese neue Belastung anzupassen. Mit jeder Woche Training lernen Muskelzellen, Leber und Bauchspeicheldrüse ein kleines bisschen besser zusammenzuarbeiten.

Das braucht Geduld. Aber es lohnt sich. Denn Bewegung wirkt nicht nur auf den Blutzucker. Sie verbessert auch Herz, Kreislauf, Muskeln, Gelenke, Schlaf, Stimmung und Lebensqualität.

Oder um es mit den Worten der Zuckertante zu sagen:

Es muss nicht SO schwer sein.

Machen Sie einfach weiter. Auch dann, wenn Ihr Blutzucker gelegentlich anderer Meinung ist. 😉

die Zuckertante Dr. Pusarnig


Die Zuckertante grüßt
und wünscht allzeit gute Werte!

Was meinen Sie? Bitte hier klicken!

Hinterlassen Sie einen Kommentar: