Diabetes-Tablette doppelt genommen? Meist kein Grund zur Pan
„Oje! Habe ich meine Tablette jetzt doppelt genommen?“
Wenn Sie Diabetes-Medikamente einnehmen, ist Ihnen das vielleicht auch schon passiert: Man sitzt beim Frühstück oder am Abend vor der Medikamentenschachtel und plötzlich kommt der Zweifel.
Habe ich die Tablette heute schon genommen? Oder noch gar nicht?
Manchmal ist man sich sicher. Manchmal leider nicht. Und manchmal stellt man erst hinterher fest, dass man eine Tablette tatsächlich doppelt geschluckt hat.
Die gute Nachricht gleich vorweg:
Bei den meisten modernen Diabetes-Medikamenten passiert dadurch nichts Gefährliches.
Trotzdem gibt es einige wenige Ausnahmen, bei denen man genauer hinschauen sollte.
Hier gleich die Podcast-Folge zum Zuhören, darunter die Zusammenfassung:
Das Wichtigste zuerst: Nicht jede Diabetes-Tablette kann Unterzuckerungen auslösen
Die größte Sorge der meisten Menschen lautet:
"Bekomme ich jetzt eine Unterzuckerung?"
Zum Glück lautet die Antwort in den allermeisten Fällen: Nein. Viele moderne Diabetes-Medikamente senken den Blutzucker zwar wirksam, können aber alleine keine Unterzuckerung verursachen. Deshalb macht eine versehentliche doppelte Einnahme meist keinen ernsthaften Ärger.
Metformin doppelt genommen?
Metformin ist das am häufigsten verwendete Medikament bei Typ-2-Diabetes.
Wenn Sie einmal versehentlich die doppelte Dosis erwischt haben, besteht normalerweise kein Grund zur Sorge. Mögliche Folgen können sein:
- Bauchgrummeln
- Blähungen
- Durchfall
- Magen-Darm-Beschwerden
Vor allem Menschen, die Metformin anfangs nicht besonders gut vertragen haben, können diese Beschwerden vorübergehend wieder spüren. Eine Unterzuckerung verursacht Metformin aber normalerweise nicht.
Synjardy®, Jardiance®, Forxiga® & Co.
Diese Medikamente gehören zur Gruppe der sogenannten SGLT2-Hemmer.Sie unterstützen die Ausscheidung von Zucker über die Niere und haben viele Vorteile für Herz und Stoffwechsel.
Wird eine Tablette versehentlich doppelt genommen, ist das in der Regel ebenfalls unproblematisch. Bitte nicht absichtlich die Dosis erhöhen – aber wenn es einmal passiert ist, besteht meist kein Anlass zur Panik.
Gliptine und Pioglitazon
Auch Medikamente wie:
- Sitagliptin (Januvia, mit Metformin im Janumet zum Beispiel)
- Linagliptin (Trajenta, mit Metformin im Glyxambi zum Beispiel)
- Vildagliptin ( Galvua, Jalra, Xiliarx, mit Metformin im Eucreas zum Beispiel)
- Pioglitazon (Actos,mit Metformin Actoplus Met zum Beispiel
machen normalerweise keine Unterzuckerungen. Eine versehentliche doppelte Einnahme ist meist harmlos.
Die Ausnahme: Hier müssen Sie wirklich aufpassen
Es gibt einige ältere Diabetes-Medikamente, die direkt die Bauchspeicheldrüse dazu anregen, mehr Insulin auszuschütten.Und genau diese Medikamente können Unterzuckerungen verursachen. Dazu gehören insbesondere:
- Gliclazid (Diamicron®)
- Glimepirid (Amaryl®)
- Gliquidon
- früher auch Glibenclamid (Euglucon)
Wenn Sie eines dieser Medikamente versehentlich doppelt genommen haben, sollten Sie aufmerksam sein.
Was tun bei Gliclazid oder Glimepirid?
Wenn Sie sicher wissen, dass Sie die Tablette doppelt genommen haben:
1. Etwas großzügiger essen
An diesem Tag darf der Blutzucker ruhig etwas höher sein als sonst. Ein etwas höherer Wert ist deutlich ungefährlicher als eine schwere Unterzuckerung.
2. Häufiger messen und eventuell Ihren Arzt anrufen
Kontrollieren Sie Ihren Blutzucker häufiger als gewohnt. Zum Beispiel alle zwei bis drei Stunden. Wenn Sie sehen, dass der Blutzucker abfällt, zum Beispiel unter 90 mg/dl, oder wenn Sie Werte unter 100 mg/dl schon beunruhigend finden:
Bei Anzeichen für Unterzuckerungen, wenn Sie leichte Übelkeit spüren, zittern, schwitzen; : nehmen Sie Traubenzucker! Zum Beispiel Dextro Energy 2 Plättchen oder eine Portion von einem Flüssig-Zucker aus der Apotheke oder ein Fläschchen SugrSugr.
Wenn Sie nichts davon zuhause haben: 250 ml süße Limonade (Cola, Fanta,... aber bitte in diesem fall natürlich MIT Zucker!), 250 ml Orangensaft, einige Gummibärchen, 1 - 2 Teelöffel Zucker aufgelöst in etwas Wasser oder Tee
Bei schnellem Zucker-Abfall: trinken Sie etwas Süßes
Bei langsamem Zucker-Abfall: essen Sie etwas Süßes: Obst, ein Stück Kuchen etc.
3. Keine außergewöhnlichen Anstrengungen
Verzichten Sie an diesem Tag möglichst auf starke körperliche Belastungen oder ungewohnte Sporteinheiten.
4. Vor dem Schlafengehen vorsorgen
Gehen Sie nicht mit einem grenzwertig niedrigen Blutzucker schlafen.
Legen Sie außerdem Traubenzucker oder ein süßes Getränk griffbereit auf das Nachtkästchen.
Ihre Sicherheit geht vor!
Stellen Sie sich eventuell einen Wecker 4 - 5 Stunden nach dem Schlafengehen und kontrollieren Sie auch in der Nacht Ihren Blutzucker.
Warum Unterzuckerungen ernst genommen werden sollten
Eine Unterzuckerung bedeutet nicht nur einen niedrigen Messwert.Sie kann verursachen:
- Zittern
- Schwitzen
- Unruhe
- Verwirrtheit
- Konzentrationsstörungen
Gerade nachts oder bei älteren Menschen kann das gefährlich werden.
Deshalb gilt:
Lieber einen Tag lang etwas höhere Zuckerwerte als eine schwere Unterzuckerung riskieren.
Wie kann man solche Fehler künftig vermeiden?
Die einfachste Lösung ist oft die beste:
Verwenden Sie eine Tablettenbox!
Eine Wochenbox kostet wenig und erspart viel Grübelei.mWenn die Medikamente für jeden Tag vorbereitet sind, sehen Sie auf einen Blick:
Habe ich die Tablette schon genommen oder nicht?
Das nimmt enorm viel Unsicherheit aus dem Alltag. Und ganz ehrlich: Solche kleinen Missgeschicke passieren nicht nur Menschen mit Diabetes. Sie passieren uns allen. Auch mir passiert es, dass mir mitten am Vormittag der Gedanke kommt: "Hab ich heute meiene Blutdruck-Tabletten genommen?" Kein Problem - ich geh ins Badezimmer und sehe in meiner Wochen-Tabletten-Box nach. Bis jetzt hab ich mir immer umsonst Sorgen gemacht!
Fazit
Wenn Sie eine Diabetes-Tablette versehentlich doppelt genommen haben, besteht in den meisten Fällen kein Grund zur Panik.
Besonders Metformin, SGLT2-Hemmer und viele andere moderne Medikamente machen dadurch normalerweise keine gefährlichen Probleme.
Anders sieht es bei Medikamenten wie Gliclazid oder Glimepirid aus. Hier sollten Sie aufmerksam bleiben, häufiger messen und gegebenenfalls Rücksprache mit Ihrem Behandlungsteam halten.
Und vor allem: Machen Sie sich keine Vorwürfe. Solche Fehler passieren Menschen. Wichtig ist nur, ruhig zu bleiben und zu wissen, wie man richtig reagiert.

Die Zuckertante grüßt
und wünscht allzeit gute Werte!