Die Echse und die Spritze: das Gila Monster! - Zuckertante.at

Die Echse und die Spritze: das Gila Monster!

Spaziergang nach Schönbrunn

mit Besuch aus Deutschland. Weils so kalt ist, gehen wir ins Wüstenhaus und gleich am Anfang des Rundwegs treffe ich sie: die beiden Gila-Monster! Ein Echsen-Pärchen, sie sehen aus wie kleine Drachen. Zum Glück hinter dickem Glas, denn die Biesterchen sind giftig.
Genauer: in ihrem Speichel gibt’s ein starkes Gift. Wenn sich so ein Monsterchen in seine Beute verbeißt, dann läuft in einer Rille entlang der Zähne das Gift in das arme Opfer rein.Durch das Hin- und Herzerren und die Kaubewegungen verteilt sich das Gift im Körper des Opfers. Normalerweise erwischt das kleine Säugetiere,  die Gilas fressen auch gerne Vogel- und Reptilien-Eier.

Menschen werden nur ganz selten gebissen, und nur wenn man die Tiere immer weiter ärgert. Denn zuerst pfauchen und drohen sie und beißen erst zu, wenns gar nicht anders geht. No immerhin…

Was das alles mit Diabetes zu tun hat?

gila_schildDas sagt uns gleich ein Schild neben dem Gila-Gehege: die Firma Lilly hat die beiden Tierchen dem Schönbrunner Zoo spendiert, zur Nachzucht in einem internationalen Zuchtprogramm. Denn die Gila Monster wären schon fast ausgestorben!

Wenn da nicht ein paar junge Forscher entdeckt hätten, dass sie in ihrem Speichel nicht nur das starke Gift haben, sondern dazu noch eine Art Hormon, das wichtig für den Zucker-Stoffwechsel ist: Es regt die Bauchspeicheldrüse an, Insulin zu produzieren. Sehr sinnvoll, wenn man grad Beute zwischen den Zähnen hat!

ein lang wirksames Hormon

Bei den Gilas wirkt dieses Hormon sehr lange – ganz anders als beim Menschen. Der stellt eine ganz ähnliche Substanz im Darm her, wenn Essen daherkommt. Aber das menschliche Molekül wirkt nur ein paar Minuten, das von den Gilas viele Stunden lang.

Hmmm…spannend!

Eine Substanz, die die Produktion von Insulin anregt, aber NUR wenn der Zucker Essens-bedingt ansteigt? Wär doch ein ideales Medikament…

Vom Gift zum Medikament

Und wirklich: als einmal klar war, wie die Gila Monster ihre Verdauung betreiben, wurde diese Substanz für die Pharma-Forschung interessant. Die Firma Lilly hat, ausgehend von dem Hormon der Gila Monster, ein leicht verändertes Molekül entwickelt, das tatsächlich als Medikament bei Diabetikern verwendet wurde, und das der Ausgangspunkt für weitere Medikamente wurde.

Byetta

Sie nannten es „Exenatid“, als Erinnerung an die Echsen. Unter dem Namen „Byetta“ kam es in den Handel, auch in Österreich. Als Hormon muss es unter die Haut gespritzt werden. Es kann gut mithelfen bei der Behandlung von Typ 2 Diabetes, es verursacht in der Regel keine Hypos und kann gut mit Metformin oder Pioglitazon  (Actos) kombiniert werden.

Das alles weil ein paar junge Forscher eine etwas komisch aussehende Echse genau untersuchten…
Und so kam es, dass die Firma Lilly sich um das Zuchtprogramm der Gila Echsen annahm und so kam das Gila-Monster-Pärchen nach Schönbrunn und wohnt nun im Wüstenhaus.

Trulicity

Byetta selbst wird kaum mehr verwendet, es wird derzeit auch nicht von den Krankenkassen bezahlt – wohl aber in Sonderfällen das Nachfolge-Medikament, das Trulicity: denn das braucht man sich nur mehr einmal pro Woche zu spritzen und nicht täglich wie davor Byetta.

Es gibt noch andere Medikamente, die auf demselben Mechanismus beruhen: das Victoza, das dem menschlichen Hormon noch ähnlicher ist, aber  derzeit  noch einmal pro Tag gespritzt wird, und weitere werden noch kommen. Besonders fein: sie helfen auch noch bei der Gewichtsabnahme mit!

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