130 n Chr - eine bewegende Beschreibung des Diabetes mellitus - Zuckertante.at

130 n Chr – eine bewegende Beschreibung des Diabetes mellitus

Von Susanne Pusarnig / 18. August 2014
Statue griechischer Philosoph

eine Ferienwoche – mit viel Zeit zum Schreiben, Nachdenken, Nach-Lesen…
Beim Vorbereiten des nächsten Insulin Seminars stoße ich wieder auf den klassischen Text des Aretaios, einer der „alten Griechen“, der ein berühmter Arzt und scharfer Beobachter war.

Aretaios über Diabetes

Er schreibt einen Text über Diabetes, der heute noch manchen Diabetikern die Tränen in die Augen treibt,

wenn ich ihn vor einer Gruppe vorlese – so genau ist hier beschrieben, was Typ 1-Diabetiker spüren können, bevor dann die Diagnose gestellt wird.

DAS ist Insulin-Mangel

Aretaios konnte damals nur beobachten und beschreiben, und das blieb fast 2000 Jahre lang so… heute kann bei so schlimmen Symptomen Insulin in kürzester Zeit helfen. Hier der Text:

Eine rätselvolle Krankheit ist der Diabetes, und nicht sehr häufig bei den Menschen. Fleisch und Bein schmilzt im Urin zusammen, Feuchtigkeit und Kälte ist die Veranlassung wie bei der Wassersucht, aber die Flüssigkeit geht auf dem gewohnten Weg durch Nieren und die Blase ab.

Die Kranken hören nie auf Harn zu lassen, sondern wie aus geöffneten Schläuchen rinnt es unaufhörlich.

Über die Entstehung und Entwicklung der Krankheit dauert es einige Zeit, aber sind die Symptome erst vollkommen ausgebildet, so befindet sich auch der Mensch am Ende seiner Tage, denn dann nimmt die Abzehrung rasch überhand, und nach einem elenden und schmerzvollen Leben erfolgt der schnelle Tod.

Die Kranken haben einen unauslöschlichen Durst und trinken und harnen sehr viel. Indessen übersteigt die Quantität des gelassenen Urins doch noch die des Getränks.

Versuche auch nicht, sie vom Harnen oder Trinken abzuhalten, denn wenn sie auch nur auf kurze Zeit sich des Trinkens enthalten, so wird alsbald der Mund trocken, der Körper verdorrt und es ist ihnen, als wenn die Gedärme verbrennen. Sie führen ein elendes, weinerliches Leben und sterben nach gar nicht langer Zeit, denn der Durst quält sie wie loderndes Feuer.

Im Beginn der Krankheit ist der Mund trocken, der Speichel weiß und schaumig wie bei durstenden Menschen, aber noch ist kein Durst vorhanden.

Nimmt das Übel zu, so tritt eine zwar geringe, aber beißende Hitze in den Eingeweiden auf. Der ganze Körper magert ab, der Urinabgang wird reichlicher, der Durst wird immer heftiger.

Und daher auch hat, wie ich glaube, die Krankheit den Namen Diabetes erhalten, als wenn sie ein Weinheber wäre, weil nämlich die Flüssigkeit nicht im Körper bleibt, sondern den Menschen wie eine Röhre benutzt, durch welche sie abfließen kann.

Der Diabetes wird dadurch hervorgebracht, dass irgendeine akute Krankheit sich auf diesen Teil (den Magen) warf und bei der Krise unvermerkt einen schädlichen Stoff im Körper zurück ließ. Nicht unwahrscheinlich ist auch, dass eine giftige Materie sich in der Blase und Niere festsetzt und dazu Veranlassung gibt. Und ferner entsteht die Krankheit durch den Biss jener Schlange, welch Dipsas, die Durstnatter, genannt wird.“

(dieser Text wird viel zitiert, in Büchern über Diabetes und im Internet. Ich habe ihn von der diabetesinfo.de, eine Seite die ich mit ihrer Fülle an Informationen nur jedem Diabetiker empfehlen kann.)

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