Leitlinie Typ 2 Diabetes: 1. Behandlung nach der Diagnose - Zuckertante.at
1. und 2. Medikament

Leitlinie Typ 2 Diabetes: 1. Behandlung nach der Diagnose

(Österreichische Diabetes-Gesellschaft: Diabetes mellitus, Empfehlungen für die Praxis 2019 Seite 27 ff
https://www.oedg.at/pdf/Diabetes-mellitus-Anleitungen-fuer-die-Praxis-2019.PDF )

Antworten auf die Fragen: was sind Leitlinien, wozu brauchen wir die,  wie entstehen sie: Hier im 1. Beitrag

Zusammenfassung vorab:

Erhöhte Blutzuckerwerte sind wesentlich an der Entstehung der Spätkomplikationen bei an Diabetes mellitus Typ 2 erkrankten Patienten/ Patientinnen beteiligt.

Während Lebensstilmaßnahmen die Eckpfeiler jeder Diabetestherapie bleiben, benötigen im Verlauf die meisten Patienten/Patientinnen mit Typ 2 Diabetes eine medikamentöse Therapie.

Wenn man für den einzelnen, für die einzelne Behandlungen festlegen will, sind die wichtigsten Faktoren:

  •  sichere, verlässliche Behandlung
  •  gut wirksame Behandlung
  • möglichst günstiger Einfluss auf das Herz/Kreislauf-System

Therapieziele

bunte Blumen
  • Vermeiden von Akutkomplikationen,
  • Vermeiden von Folgekomplikationen,
  • Symptomfreiheit sowie
  • Erhalt bzw. Wiederherstellung der Lebensqualität.

"Symptomfreiheit": man soll seinen Diabetes nicht unangenehm spüren

Anmerkung Dr. Pusarnig: ich finde es sehr schön, wichtig und richtig, dass schon hier die Lebensqualität genannt wird!

Basis jeder Diabetestherapie ist eine lebenslange Lebensstil-Veränderung (Gewichtsreduktion, wenn nötig/Bewegung).

HbA1c-Zielwerte:

Bei kurzer Diabetesdauer und langer Lebenserwartung wird ein HbA1c-Zielwert < 6,5% empfohlen, sofern das ohne relevante Nebenwirkungen der Therapie erreicht werden kann. 

Ein HbA1c-Ziel kleiner 7,0% ist für einen ausreichenden Schutz vor Spätschäden an den kleinen und großen Blutgefäßen notwendig.

Sehr alte Menschen (Lebenserwartung unter 15 Jahren), Menschen mit mehreren Krankheiten oder Menschen mit z.B. Lernschwierigkeiten: HbA1c-Ziel kleiner 8,0%.

Pflegeabhängige oder z.B. demente Patienten: HbA1c-Ziel kleiner als 8,5%.

Beginn der Behandlung mit Medikamenten

Tabletten

Die Leitlinien zur Änderung des Lebensstils, zu Ernährung und Bewegung werden in einer späteren Folge besprochen. Sie sind die Grundpfeiler jeder Diabetes-Behandlung.

Logo Wiener Diabetes Schule

Unsere  Kurse für Typ 2 Diabetiker
werden von allen österreichischen Krankenkassen anerkannt.
Kostenlose Krankenkassen-Plätze gibt es noch in:  Kärnten,  Oberösterreich, Vorarlberg und Wien. 
Online, per Video und Mail! Hier klicken!

Das 1. Medikament

Pillen kullern aus Dose

Als Mittel der ersten Wahl soll Metformin eingesetzt werden.

Bei einer Kontraindikation oder einer Unverträglichkeit gegenüber Metformin muss je nach individuellen Erfordernissen des Patienten ein anderes der verfügbaren Präparate angewandt werden.

Anmerkung Dr. Pusarnig: Kontraindikationen für Metformin sind zum Beispiel: Alkoholismus, schwere Leber-oder Nierenerkrankungen, schwere Herzinsuffizienz (Herzschwäche). Immer mit dem Arzt besprechen!

Die Unverträglichkeit kann oft vermieden werden, wenn Metformin „einschleichend“ begonnen wird:

mit einer kleine Dosis starten, z.B. 500 mg einmal täglich,
langsam je nach Verträglichkeit steigern.
Zieldosis: 2 x 1000 mg.

Wenn mit Metformin das Therapie-Ziel nicht erreicht wird, braucht man ein zweites Medikament:

Das 2. Medikament

Pillen in Blistern
Die Auswahl des 2. Medikaments richtet sich NUR nach den neben dem Diabetes noch bestehenden Krankheiten!

 Keine zusätzlichen Erkrankungen: 

Falls ein Diabetiker, eine Diabetikerin keinerlei weitere Risiken, keinerlei andere chronische Erkrankungen ( z.B. Bluthochdruck, erhöhtes LDL-Cholesterin,… ) hat:

zur Auswahl stehen alle zur Behandlung des Diabetes zugelassenen Medikamente . Das ist aber eher selten der Fall.

2 Vögelchen auf einem Ast

Bei Herz-Kreislauf-Erkrankung („kardiovaskuläre Erkrankung“) oder Nierenschwäche (Niereninsuffizienz): 

Hier gibt es nun klare Empfehlungen,
es kommen nur mehr 2 Medikamenten-Gruppen in Frage, je nach Grund-Erkrankung:

Bei nachgewiesener Herz/Kreislauferkrankung
oder bei erhöhtem Risiko dafür: 
  • Alter über 55 Jahre und mindestens eins von:
  • Überlastung des Herzens, z.B. durch Bluthochdruck
  • über 50% Einengung der Herzkranzgefäße, der Hals- oder Beinarterien
  • eingeschränkte Nierenfunktion
  • Eiweiß im Harn
Zwei Medikamente zur Auswahl: 

entweder spritzen:GLP1 Analogon“, also das „Darmhormon“, zum Beispiel Victoza oder Trulicity

oder schlucken: SGLT2-Hemmer, zum Beispiel Jardiance oder Forxiga
Diese Tabletten gibt es auch als fixe Kombination mit Metformin, dann heißen sie Synjardy oder Xigduo


Bei Herzschwäche oder Nierenschwäche
(Herzinsuffizienz, Niereninsuffizienz):


SGLT2-Hemmer“, zum Beispiel Jardiance oder Forxiga wie oben

Wenn diese Medikamente nicht gegeben werden können, weil zum Beispiel die Nierenfunktion schon zu schlecht ist oder weil sie nicht vertragen werden:
GLP1 Analogon Victoza oder Trulicity wie oben beschrieben.

Wenn mit dem 1. Medikament (meistens Metformin) UND einem 2. Medikament das HbA1c nicht in den Zielbereich kommt: ein 3. Medikament dazu,

Wichtig: wenn das HbA1c bei Diagnose schon über 9,5% war, sollte so schnell wie möglich mit einer Kombination aus 2 Medikamenten begonnen werden.

Interessant?

Melden Sie sich zu meinem Newsletter an!

Er kommt ungefähr alle 2 Wochen, mit Geschichten von ganz besonderen Diabetikern, mit Berichten über neue Behandlungen, Medikamente, Insuline. Als Zuckertante erzähle ich auch von wichtigen Ergebnissen neuer Studien und teile meine Begeisterung für das Thema mit Ihnen:

vogerl fliegt herbei

Wir verwenden zum Versenden von Newslettern Mailchimp. Wir speichern Ihre Email-Adresse nur, damit wir Ihnen Newsletter schicken können. Natürlich können Sie sich jederzeit vom Newsletter wieder abmelden.  Unsere Datenschutz-Maßnahmen finden Sie hier.

blumenstock schmetterling
  • Ing. Fritz Westa sagt:

    Guten Tag, VORSICHT bei Forxiga: Und da bin ich kein Einzelfall, da dieses Medikament mit erheblichen Nebenwirkungen begleitet werden kann, Extrem häufiges Harnlassen, was auch unmittelbar Zeitnah Geschen muß, zurückhalten kann leicht „in die Hose“ gehen, extremes Brennen am Geschlechtsteil, Jucken, Brennen, aber auch komplette sexuelle Unlust auf Grund der vorherigen Beschwerden. Ich kenne zahlreiche Diabetiker, die diese oder ein vergleichbares Medikament verabreicht bekamen und fast alle, egal ob Mann oder Frau, mußten dieses Medikament aus vorher genannten Gründen wieder absetzen.

    • Susanne Pusarnig sagt:

      Lieber Herr Ing. Westa: und ich kenne viele Diabetiker und Diabetikerinnen, die Forxiga oder Jardiance hervorragend vertragen und die sich über die ruhigeren Blutzucker-Verläufe mit weniger Spitzen nach dem Essen freuen und damit gut sehr gute Erfolge haben.
      Häufiges Urinieren kommt dann vor, wenn das Medikament das tut, wozu es da ist: bei höheren Blutzucker-Werten Zucker mit dem Harn ausscheiden. Der Effekt verschwindet von selbst bei normalen Blutzucker-Werten, weil die Medikamente da nicht wirken.

      Diese Medikamente stehen deshalb so weit vorne in der aktuellen Diabetes-Therapie, weil sie nicht nur den Blutzucker gut senken: Sie haben auch einen sehr positive Wirkung aufs Herz, die so stark ist, dass sie nun auch für Herzinsuffizienz ( Herzschwäche) zugelassen werden und Kardiologen können sie nun sogar Menschen ohne Diabetes , aber mit speziellen Herz-Problemen verschreiben. Das ist das Interessante an den „Neuen“ Therapien: wir haben nun Medikamente, die MEHR können als „nur“ den Blutzucker senken. Das gilt auch für die zu spritzenden Darm-Hormone wie Victoza. Das wirkt auch – anders – schützend aufs Herz und ist außerdem zugelassen zur Unterstüztung einer Gewichtsabnahme bei Nicht.-Diabetikern, da bezahlen es aber die Krankenkassen nicht.

      Bei jedem Medikament gibt es Menschen, die es nicht vertragen oder die Nebenwirkungen bekommen. Schade, dass das bei Ihnen so war – zum Glück gibt es ja gute andere Medikamente. Was wir von denen wissen, dazu kommen wir später in den Leitlinien!

      Alles Gute, Susanne Pusarnig


  • >
    Dr. Susanne Pusasrnig

    Kennen Sie meinen Newsletter?