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Welches HbA1c für 95jährigen?

Von Susanne Pusarnig / 7. Juni 2018
3 Blumen

Zucker-„Einstellung“ für sehr alte Menschen? Macht das überhaupt noch Sinn? Welches HbA1c im Alter?
Dazu hab ich heute ein Mail bekommen:
(Zwischen-Überschriften nachträglich hinzugefügt)

Frage an die Zuckertante: Welches HbA1c im Alter?

Zuckerwerte eines alten Herrn werden schlechter

Liebe Zuckertante!
Mein Vater, 95, lebt seit einem Jahr in einem Pflegeheim. Er hat schon seit Jahren erhöhte Zuckerwerte. Da sein Hba1c Wert aber immer knapp über 7 lag, war er gegen eine medikamentöse Behandlung. Nun, im Heim, ist der Wert auf 9 angestiegen.“

Er ist noch mit Rollator mobil, aber..

Brathuhn„Er ist zwar nach wie vor in der Lage, mit seinem Rollator spazieren zu gehen und macht das auch fast täglich. Das Essen im Heim ist nicht wirklich eine Diabetes-Diät. Solange er zuhause versorgt wurde, haben wir sehr auf Vollkorn-Produkte geachtet.“

Soll er das neue Medikament nehmen?

„Nun hat der Arzt ihm Diamicron in einer geringen Dosis verschrieben.
Welchen Hba1c Wert in diesem Alter halten Sie für vertretbar?
Wären Sie auch für diese Tabletten?“

Meine Antwort:

Sehr geehrte Frau D.!
Vorab: eigentlich dürfen wir seit der neuen Datenschutz-Verordnung nicht mehr über Therapie schreiben in „offenen“ Emails… andererseits kann ich ja allgemein antworten:

HbA1c im höheren Alter: bis 8%  – 8,5%

Im höheren Alter wird generell ein HbA1c bis 8% empfohlen, in manchen Leitlinien auch bis 8,5%.Damit sind Menschen ab ca 65-70 Jahren gemeint.

Aber: für Hochbetagte gibt es keine Empfehlung!

Für Ihren Vater mit 95 Jahren gibt’s eigentlich keine Empfehlung.

Wohlfühlen soll er sich!

Aber ich denke, es kommt nicht auf die Zahl an. Wichtig ist, dass Ihr Vater sich wohlfühlt und dass er essen darf was ihm schmeckt.
Also sollte sein Blutzucker nicht so hoch steigen, dass er Beschwerden macht.

Sehr hohe Werte werden unangenehm

BettWir gehen davon aus, dass Werte, die das HbA1c über 9% – 9,5% steigen lassen, so hoch sind, dass man davon müde wird – und vielleicht auch unter vermehrtem Harndrang und dann später auch Durst leidet. Wobei „mehr Durst“ besonders ungünstig ist, wenn der alte Mensch dann aufsteht mitten in der Nacht und zum Wasserhahn wackelt…

Deshalb auch sehr alte Menschen behandeln

Deshalb denke ich, ist es schon eine gute Idee, mit einer leichten Tabletten-Therapie zu beginnen und zu schauen wie er es verträgt.
Der Vorteil vom Diamicron ist, es ist altbewährt, senkt zuverlässig den Blutzucker und macht praktisch keine Nebenwirkungen. Der Nachteil ist – aber das ist im Pflegeheim nicht wichtig und bei HbA1c 9% so gut wie ausgeschlossen – der Nachteil ist also, dass das ein Medikament ist, bei dem man, wenn man zu viel davon nimmt und zB sehr viele Stunden nichts Kohlenhydrathaltiges isst, eine Unterzuckerung, einen „Hypo“ (Hypogklykämie) bekommen _könnte_.

Regelmäßiges Essen, regelmäßig die richtigen Tabletten

Ich nehme an, Ihr Vater isst zumindest ein bisschen was zum Frühstück und zum Mittagessen? Da sind sicher auch immer ein wenig Kohlenhydrate dabei (Brot, Gebäck, Nudeln, Reis Semmelknödel Nockerl… aber auch Obst… und alles Süße). Und dass er die richtige Anzahl von Tabletten bekommt, ist ja sichergestellt.

Ziel: Keine Beschwerden durch den Diabetes!

Ich glaube, da können Sie dem Hausarzt ruhig vertrauen, das ist auch ein „altes“ Medikament, mit dem wir alle schon viel Erfahrung haben. Der Hausarzt wird in 2 -3 Monaten wieder ein HbA1c machen lassen und wenn das dann unter 9 ist, dann passts gut und dann würde ich die Therapie wahrscheinlich nicht mehr erhöhen.
Aber wie gesagt: dass Wichtigste ist, dass Ihr Vater sich wohlfühlt!

Liebe Grüße an Ihren Vater!
Susanne Pusarnig
Die Zuckertante grüßt
und wünscht allzeit gute Werte

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