Fettleber -> Diabetes? - Zuckertante.at

Fettleber -> Diabetes?

Von Susanne Pusarnig / 4. November 2018
Fettleber

Die „Fett“-Leber kommt doch bestimmt vom zu fett essen? Und hat doch nichts mit Diabetes zu tun?
Beides ist falsch.

Fettleber – woher?

Die Fett-Leber kommt NICHT vom fetten Essen, und das wissen Sie eigentlich ohnehin: Haben Sie schon einmal Pastete aus Gänseleber gegessen? Die wird aus der vor Fett triefenden Leber von armen Gänsen gemacht, die vorher „gestopft“ wurden. Aber die armen Viecher bekommen nicht etwa Fett reingewürgt, sondern Körnerfutter!

GänseUnd zwar ausschließlich Körnerfuttter! Mehr als sie eigentlich fressen möchten oder können. DAMIT wird ihre Leber so „schön“ fett. Dass es heute auch wieder die altmodische Art ohne Tierquälerei gibt, bei der die Gänse auf der Wiese Grünes zupfen dürfen und dazu einfach täglich gekochte Nudeln angeboten bekommen, sei nur nebenher erwähnt. Es gibt große Betriebe, die so arbeiten und Gänse artgerecht halten, bis sie halt im Kochtopf landen. Das hab ich bei der Recherche zu diesem Artikel gelernt, und das finde ich richtig gut.

Schuld sind die Kohlenhydrate

ReisJedenfalls: die Fettleber, auch die des Menschen, kommt von zu vielen Kohlenhydraten und nicht von zu viel Fett im Essen! Sie wissen schon – Kohlenhydrate, das ist der unnötig komplizierte Ausdruck für:  die Familie der Nudeln, Kartoffeln, vom Reis, Gebäck, auch das Obst mit seinem Fruchtzucker, die Milch mit dem Milchzucker, der Haushaltszucker gehören zur Familie… die alle zusammen sind daran schuld, wenn eine Leber immer mehr verfettet.

Das klingt doch schon eher nach Diabetes!
Nach Überlastung des Stoffwechsels mit Kohlenhydraten…
Nach hohen und zu hohen Zuckerwerten…
Danach, dass es langsam schwierig wird für die Bauchspeicheldrüse, genug Insulin herzustellen.

Das Insulin schaffts nicht mehr

Meist ist das dann so: die Menge Insulin , die früher – ohne Fettleber – locker gereicht hat, den Zucker-Spiegel im Blut auf normalen Werten zu halten, diese Menge reicht nun nicht mehr aus, denn:

Vogerl erschöpftJe mehr Fett die Leber enthält, umso mehr Botenstoffe schickt sie aus, die bewirken, dass alle anderen Zellen nicht so gut wie es sein sollte auf Insulin reagieren. Insulin kann seine Arbeit nicht mehr so gut verrichten, kann nicht genug Zucker vom Blut in die Zellen hinein befördern, und so wird der Zucker im Blut wird immer mehr.

Die Bauchspeicheldrüse will den Zuckergehalt im Blut auf normalen Höhen halten. Sie will, dass wir gesund bleiben, will verhindern, dass zu viel Zucker im Blut rumschwimmt, die kleine Blutgefäße verstopft, zu Arteriosklerose mit all ihren Scheußlichkeiten führt… Deshalb bemüht sich die Drüse, mehr und immer mehr Insulin herzustellen. Aus einem an sich sinnvollen Rückkopplungs-Mechanismus wird ein immer größeres Problem.

Zusammenfassung:

Mehr Fett Kohlenhydrate im Essen - > mehr Fett in der Leber -> mehr Botenstoffe der Leber ins Blut - > Insulin „greift“ nicht richtig - > Blutzuckerspiegel steigt - > Bauchspeicheldrüse versucht mehr Insulin herzustellen und ins Blut zu schicken- > Zuckerspiegel bleibt eine Zeitlang noch (hoch) normal - > irgendwann schafft die Bauchspeicheldrüse nicht mehr so viel Insulin herzustellen, wie man bräuchte - > Zuckerspiegel steigt –> Diabetes

BauchOb und vor allem: wann man mit einer Fettleber tatsächlich Diabetes bekommt, das ist noch von vielen anderen Faktoren abhängig, ganz besonders von der genetischen Anlage, mit der man auf die Welt gekommen ist. Bloß an der kann man ja selbst nichts ändern.

Fettleber – und dann?

Eine Fettleber bringt noch weitere Gefahren mit sich, außer dem erhöhten Diabetes-Risiko: verfettete Lebern neigen zu Entzündungen, Hepatitis heißen die – das kann letztlich in eine Leberzirrhose übergehen.

Zirrhose spricht man so aus: „Zirrose“, das h mitten drin hört man nicht. Das kommt aus dem alten Griechischen, cirrhos bedeutet dort „gelb, orange“: die alten Griechen kannten schon den Zusammenhang verhärtete Leber – Gelb-Orange werden der Haut!

Ja, Sie kennen das Wort „Leberzirrhose“ wahrscheinlich im Zusammenhang mit Alkoholismus.

WeinglasStimmt! Zu viel Alkohol führt auch zu Fettleber – > Leberentzündung – Zirrhose. Übrigens: auch das „funktioniert“ übrigens ganz unabhängig von Fett im Essen! Auch wenn sich Alkoholiker zumindest in den ersten Jahren meist fettreich ernähren.

Nicht vom Alkohol

Weil die Fettleber durch zu viele Kohlenhydrate im Essen genau gleich aussieht wie die Fettleber aus Alkohol, und weil die Alkohol-Fettleber ja schon viel länger bekannt ist, nennt man die „selbst angefressene“ Art der Fettleber: die Nicht-alkoholische Fettleber, abgekürzt

NAFLD: engl.: non alcoholic fatty liver disease.

Sie ist schon als Krankheit anzusehen, wie eben im englischen Namen. Da steckt das Wort „disease“ drin, englisch für Krankheit. Fettleber klingt immer so harmlos, aber es ist schon korrekt, die Fettleber kann zur Leber-Entzündung führen.

Die Leberentzündung nach der „selbst angefressenen“ Fettleber heißt dann dementsprechend

NASH (engl.: non alcoholic steatohepatitis), also „nichtalkoholische Fettleber-Hepatitis“

(Hepatitis = Entzündung der Leber. Aus dem Griechischen; Hepar = Leber, alles mit –itis hintendran ist eine Entzündung).

Schon jeder dritte Erwachsene in Mitteleuropa hat eine Fettleber!

Leute, die eine Fettleber haben, die nicht vom Alkohol kommt, haben also eine „Nicht-alkoholische Fettleber“, eine NAFLD und wenn sich die entzündet was sie übrigens ganz ohne böse Hepatitis-Viren tun kann – dann hat man eine NASH, eine „Nicht-alkoholische Fettleber-Entzündung“.

Hepatitis – Leber-Entzündung

Das ist gar nichts Feines. Bleiben wir beim Begriff NASH für die Leberentzündung, er ist so praktisch kurz.
Eine NASH haben bedeutet, ein sehr sehr hohes Risiko für: eben Typ 2 Diabetes, dazu noch erhöhtes Risiko für Arteriosklerose mit all ihren Grauslichkeiten (Herzinfarkt, Schlaganfall, Gefäßverschlüsse…).

Zirrhose = Leber-Verhärtung

Vogerl koUnd es kann immer NOCH schlimmer kommen: die NASH kann in die Leber-Verhärtung, die Leberzirrhose übergehen. Da verändert sich das ganze Leber-Gewebe und die Leber kann auch ihre Stoffwechsel- und Entgiftungs-Aufgaben nicht mehr so gut erfüllen. (Der Alkoholiker merkt das daran, dass er plötzlich viel weniger Alkohol „verträgt“).

Zu schlechter Letzt kann in verhärteten, zirrhotischen Bereichen der Leber auch noch Leberzell-Krebs entstehen.

Bei Fettleber und erst recht bei Leberentzündung ist also das Risiko, an Diabetes zu erkranken, höher.

Und wenn man schon Diabetiker ist?

BZ MessgerätWenn man eh schon Diabetes hat, und es kommt eine Fettleber dazu, bewirkt das genau so eine schlechtere Empfindlichkeit auf Insulin (Insulinresistenz) und / oder schwankende Blutzucker-Werte. Das gilt beides für Typ 2 und für Typ 1 Diabetiker! Bei schwankenden Zuckerwerte daher immer an die Leber denken und testen:

Diagnose der Fettleber:

Am besten durch Ultraschall, da sieht man es gleich. Verfettetes Lebergewebe ist fester als gesundes und schaut auf dem Ultraschallbild heller aus.

Im Labor sind die Leberwerte meist erhöht, gGT GOT GPT, bei schwerer Erkrankung dann auch das Bilirubin, der Leber-Farbstoff, der die Haut und die Hornhaut im Auge dunkelgelb verfärbt. Diese Gelbfärbung, wenn man sie einmal sieht, sollte einen unbedingt alarmieren: sie ist das Anzeichen, dass in der Leber etwas ganz und gar nicht stimmt, dass die Leber  krank ist!Allerdings gibt es viele mögliche Ursachen einer Erhöhung der „Leberwerte“, das Labor alleine führt also nicht zur Diagnose.

Schauen Sie doch einmal auf Ihren letzten Laborbefund: ist da ein gGT ( = „Gamma GT“)-Wert drauf? Das ist ein wichtiger Leberwert. Dazu noch die Triglyzeride aus dem LAborbefund, Ihre Größe, Gewicht, Bauchumfang – und schon können Sie den Fettleber-Rechner füttern: https://rechnersammlung.de/fli  Er sagt Ihnen genau, wie wahrscheinlich es ist, dass Sie schon eine Fettleber haben.

Am genauesten kann man sagen, wie schwer die Leber schon geschädigt ist, wenn man sich eine kleine Probe holt und die unters Mikroskop legt und die Zellen untersucht. Das macht man nach einer „Leberbiopsie“, mit einem Stich durch die Bauchwand bei lokaler Betäubung. Weil die Leber ja so groß ist und sonst nichts im Weg ist, ist das eine ganz einfache Sache, vor der man sich nicht fürchten muss.

Bio-psie: „Bio“ hat immer was mit lebendig zu tun, bei den alten Griechen: Bios heißt Leben, opsis heißt „genau anschauen“ im Griechischen: Bio-opsis -> Biopsie = ich schau mir was Lebendiges ganz genau (zu unterm Mikroskop) an

Symptome, Anzeichen bei Fettleber

BauchKann man die Fettleber spüren? Kaum. Die Leber selbst tut nicht weh, möglicherweise hat man einen dumpfen, leicht drückenden Schmerz im rechten Oberbauch, weil die kranke Leber anschwillt und mehr Platz braucht.

Behandlung:

die muss jeder selbst machen! Es gibt  (noch) kein Medikament gegen Fettleber. Das überrascht immer wieder: so eine häufige Krankheit und die Medizin hat kein Medikament anzubieten? Doch, doch das kommt vor, öfter als man denkt – es beginnt ja schon beim Schnupfen…

BücherstapelAllerdings wird intensiv daran geforscht. Ein Ansatz wäre es, dass man Schilddrüsenhormon dazu bringt, nur in der Leber zu wirken und dass man dies dann zusätzlich zum vorhandenen Schilddrüse-Hormon gibt. In der Leber bewirkt es Fettabbau! Ein anderer Weg ist es, die „Botenstoffe“, die die Fettleber produzeirt, zu beeeinflussen. Näheres dazu hier: https://www.gesundheitsforschung-bmbf.de/de/nicht-alkoholische-fettleber-und-typ-2-diabetes-6585.php

Was wirklich hilft:

Gewicht abnehmen, Bewegung, weniger und gesündere Kohlenhydrate essen.

Jaaa, die „üblichen Verdächtigen“ (Manchmal hat man den Eindruck, mit gesundem Essen und Bewegung könne man fast jede Krankheit heilen! = ;- ) )

Die Leber nicht überladen!

Die Leber kann Glukose, Zucker speichern, bis zu 5% ihres Gewichts. Das ist auch gut so, denn aus diesem Zucker-Speicher fließt in den Zeiten, wo wir gerade nichts essen, Glukose ins Blut. Das bringt uns einen stabilen Blutzucker, auch wenn wir einige Stunden – oder länger- nichts essen. Das ist wichtig, weil ja unser Körper nonstop Glukose braucht, als Energie fürs Gehirn und alle anderen Zellen.

BrathuhnWenn man die Leber überlastet, zum Beispiel durch ein zu großes Abendessen, wenn ihre Speicher schon voll sind, dann wandelt sie überschüssige Kalorien in Fettsäuren um, die dann als freie Fettsäuren im Blut herumschwimmen – und die machen auch noch die bunte BlumenWirkung des Insulins schlechter!

Die gute Nachricht:

Wenn man es schafft, sich umzustellen und nur einige der Veränderungen im Essen, Trinken, bei der Bewegung wirklich durchzuhalten, ist es immer wieder verblüffend, wie schnell die Leberwerte, der Ultraschall besser werden.

Die Leber hat eine enorme Fähigkeit, wieder gesund zu werden!

Das geht aber nur bis zum Stadium der Zirrhose – was an Gewebe zerstört ist kann auch nicht wieder regenerieren.

Daher: bei Bauch-betontem Übergewicht, bei Insulinresistenz, bei schwankenden Zuckerwerte: An die Leber denken, einen Ultraschall machen lassen, die Leberwerte im Labor ansehen.

Und gut sein zur Leber – regelmäßig Alkohol streichelt sie nicht!

6Kommentare
otmar henninger - 4. November 2018

Danke für die verständliche Abhandlung zum Thema Fettleber.
In der Zusammenfassung (grauer Block) glaube ich aber einen Fehler oder Widerspruch entdeckt zu haben:
„Mehr Fett im Essen – > mehr Fett in der Leber“ widerspricht (zumindest scheinbar) Ihrem Anfangsstatement „Die Fett-Leber kommt NICHT vom fetten Essen“.
lg
O.H.

Antworten
    Susanne Pusarnig - 4. November 2018

    DANKE! Absolut richtig – und ist schon ausgebessert!

    Antworten
Editha Beier - 4. November 2018

Also sehr gut erklärt über die Fettleber, sehr interessant und lehrreich!
ich finde es super, schon Anfang f.das 2.Buch!!!!
lg.Editha

Antworten
    Susanne Pusarnig - 4. November 2018

    dankeschön – aber das nächste Bücherl handelt von der Kusnt des Insulin-Spritzens ( Wie gehts, muss man sich fürchten, kann was passieren dabei, was mach ich wenn ich denke, ich habs vergessen… )

    Antworten
christine Prokschi - 6. November 2018

Sehr gut und verständlich erklärt ! gefällt mir 🙂

LG christine

Antworten
    Susanne Pusarnig - 7. November 2018

    Dankeschön!

    Antworten
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