FreeStyle Libre 2 in Österreich - Zuckertante.at

FreeStyle Libre 2 in Österreich

FreeStyle Libre 2 in Österreich

(Stand: 10.12.2020, wird aktualisiert wenn es Neues gibt)

Viele haben schon darauf gewartet – ab 1. 12. 2020 kann der Libre 2 in Österreich verordnet werden.

Die Krankenkassen übernehmen die Kosten nur dann, wenn ein paar Bedingungen erfüllt sind:

  • Diabetes mellitus – Typ 1 oder Typ 2 ist egal – UND
  • intensivierte Insulintherapie ( FIT, Basal/Bolus) oder Pumpe UND
  • mindestens 6 Blutzucker-Tests pro Tag sind nötig UND
  • eine Begründung, WARUM die Alarme des Libre 2 für eine sichere Diabetes-Einstellung unbedingt nötig sind.

Der letzte Punkt ist der wichtigste:

(Achtung, das alles gilt NUR für Österreich!)

Wer weiterhin den Libre 1 bekommt

In Österreich bleibt der Libre 1 (vorerst?) weiterhin erhältlich, also das Mess-System mit 14 Tage Sensor, das einfach nur den Blutzucker messen kann. Das aber nicht aktiv, von sich aus, sich melden kann wenn der BZ zu hoch oder zu tief geht.

Die Krankenkassen gehen davon aus, dass das für sehr viele Diabetiker durchaus ausreicht. Und gerade heute ( 10.12.2020) lese ich in Gruppen von Typ 1 Diabetikern in Facebook, dass die Alarme sie „nerven“ und dass sie sie deshalb ausgeschaltet haben – was ja nicht der Sinn der Sache sein kann.

Insulin PenAlso, in Österreich gibts weiterhin den Libre 1. Den bekommen ALLE, egal welche Krankenkasse, egal welche Diabetes-Form, alle, die intensivierte Insulintherapie ( FIT, Basal/Bolus, Pumpe) machen und die daher mindestens 6 x täglich ihren Blutzucker testen müssen. Daran ändert sich auch nichts – diese Bestimmung bleibt wie sie ist.

Das ist der Unterschied zwischen Libre 1 und Libre 2:

Der Libre 1 klebt am Oberarm, diese kleine weiße Scheibe, die Sie schon öfter bei Diabetikern gesehen haben, vor allem im Sommer, wo die Leute kurze Ärmel tragen, ist er mir überall aufgefallen.
Einfach das blitzende Weiß oder bunte Ornamente – Pickerl, mit denen der Libre verziert wurde. Die gibts inzwischen mit vielen verschiedenen Motiven, und die machen einfach Spaß – nicht nur Kindern.

Libre 1

Libre mit SensorDer Libre 1, also der Libre den man in Österreich bis jetzt gewohnt war, der misst den Zucker im Gewebe. Wenn man mit dem Lesegerät ( oder mit dem Handy mit der Libre App) dem Sensor auf ein paar cm nach kommt, dann wird der aktuelle Zuckerwert und die Verlauf der letzten 8 Stunden angezeigt, dazu noch – und das ist besonders hilfreich – ein Pfeil, der zeigt wo der Zucker grad „hin will“ , wohin der Trend geht:
bleibts gleich ,steigt oder fällt der BZ gerade, und tut es das langsam oder schnell?
Das zeigt der Pfeil an.

ABER: beim Libre 1 muss man eben selbst was tun – den Sensor „Scannen“, also dran denken, zB wenn man sich irgendwie „komisch“ fühlt: „HM, das könnte eine Hyp sein – schnell mal nachsehen“ – Libre scannen – Wert sehn.

Libre 2

Der Libre 2 sieht genau so aus wie der Libre 1.
Der Libre 2funktioniert im Prinzip genau so wie der Libre 1, mit dem großen Unterschied: Hier kann man sich

Grenz-Werte für zu tiefen oder zu hohen Zucker

einstellen, und wenn die Werte da drüber oder drunter gehen, dann „meldet“ sich das System – das Lesegerät bimmelt oder vibriert bzw. das Handy gibt „Alarm“. Dann kann man nachsehen, was genau los ist und entsprechend handeln.

WeckerBei welchen Zuckerwerten die Alarme losgehen sollen, ob die Alarme hörbar sein sollen, und wenn ja, wie laut: das kann man natürlich alles einstellen. Besonders in der Nacht kann es eine große Beruhigung sein, wenn man weiß, der Libre meldet sich von selbst, wenn der Zucker zB zu tief fällt. Eine große Beruhigung vor allem auch für die Partner!

Krankenkassen: Libre 2 NUR wenn er wirklich gebraucht wird

Was das heißen soll? Naja, die Krankenkassen stellen den Libre 2 auf eine Stufe mit anderen CGM-Systemen – was er ja auch ist / sein will.

CGM = K(c)ontinuierliche Glukose (Zucker) Messung

Es gibt schon längere Zeit Sensoren, die Alarm geben können, wenn der Zucker zu tief oder zu hoch wird. Diese Sensoren sind deutlich teurer als der Libre und werden oft in Verbindung mit Insulin Pumpen von vor allem Typ 1 Diabetikern verwendet,

LIbre2: „Das kann ich auch!“

Ja, und der Libre 2 kann das nun eben auch – aktiv Alarme geben.

Daher sagen die Krankenkassen:

„Wer ihn braucht, soll ihn bekommen – wie bei jedem anderen Sensor bisher auch“.

Wer braucht ihn nun ( im Sinne der Krankenkassen)?

Alle, die ohne die Alarme gefährdet wären:

  • Diabetiker mit Hypos, die sie nicht rechtzeitig merken
  • Diabetiker, die schon so schwere Hypos gehabt haben, dass sie sich nicht selbst helfen konnten
  • Diabetiker, bei denen immer wieder nachts Hypos auftreten – egal was man alles versucht um die Einstellung zu verbessern
  • Diabetiker mit stark schwankenden Blutzucker-Werten aber NUR, wenn ein Facharzt, eine Diabetes-Ambulanz bestätigt, dass die Einstellung derzeit wirklich nicht besser hin zu kriegen ist, dass die schwankenden Werte also nicht daran liegen, dass der Diabetiker sich zu wenig um seinen Diabetes kümmert
  • Einzel-Fälle, wo besondere Lebens-Situationen dafür sprechen, d ss jemand ein Gerät braucht, das Alarme gibt

Vorgehen, wenn die Bedingungen erfüllt sind:


als erstes: zum Facharzt, in die Diabetes-Ambulanz.

Sie brauchen einen Verordnungsschein, auf dem drauf steht.:
welcher Diabetes-Typ, welche Insulin-Therapie und ganz wichtig: WARUM Sie die Alarme unbedingt brauchen, was Ihr spezielles Problem ist.

Und Sie legen dazu einen Beweis für Ihr Problem:

  • zB Ausdrucke von Protokollen des Libre 1, in denen auch Insulin-Gaben und Be eingetragen sind, und wo man sieht, dass Sie unvorhersehbare Hypos haben.
  • Oder ein Diabetes-Tagebuch, in dem man sehen kann, dass Sie mindestens 6 x täglich Ihren Blutzucker messen, und in dem natürlich auch steht wann Sie wie viele BE gegessen und was Sie gespritzt haben – und dass Sie trotzdem Probleme mit plötzlichen zu hohen/ zu tiefen Werten haben
  • oder dass Sie nachts aufwachen wegen Hypo
  • oder was Ihr spezielles Problem eben ist.

Dieser Verordnungsschein muss von den Chefärzten Ihrer Krankenkasse bewilligt werden, und dann gehts ab zu Abbott und Sie bekommen den Libre 2.

Das Einstellen der Alarme ist ganz einfach, das können Sie selbst machen. Es ist aber sicher sinnvoll, mit Ihrem Diabetes-Team zu besprechen, wo genau Sie die Alarme haben möchten, also bei welchen Zuckerwerte sich der Libre melden soll.

Haben Sie noch Fragen? Dann stellen Sie sie gerne gleich hier, in den Kommentaren!




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Dr. Susanne Pusasrnig

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