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Hafertage: bei Typ 2 Diabetes, bei Insulinresistenz auch bei Typ 1!

Von Susanne Pusarnig / 15. Juli 2018
Haferflocken

Wann könnten Sie an einen „Hafertag“ denken?

  • Ihr Arzt sagt, Sie hätten eine „Insulinresistenz„?
  • Typ 2 Diabetes und bisschen viel rund um den Bauch rum?
  • Typ 1 Diabetes und irgendwie wirkt das Insulin nicht mehr so gut?
  • Labor: Ihr HOMA-Index ist größer als 5? Das ist ein Wert, der Insulinresistenz beweist

Für Sie alle wären Hafertage eine prima Idee. Mir fällt auf, dass ich in letzter Zeit in der Ordination oft darauf angesprochen werde. Hafertage – tja, die kenne ich noch von der „alten Zeit“ im Lainzer Spital ( heute Hitezing). Die waren damals schon wichtig um den Insulin-Bedarf zu senken, um bei Typ 2 die Zuckerwerte zu verbessern… dann kamen sie „aus der Mode“ und jetzt werden sie, scheints, grad wieder modern. Ich erkläre gleich, wie man Hafertage genau macht.

Sie finden in diesem Beitrag:

  1. Insulinresistenz
  2. Wie man Hafertage macht
  3. Wie man die Behandlung anpasst
  4. Was Ihnen Hafertage bringen können
  5. Mehrere Hafertage hintereinander? Bei frisch entdecktem Diabetes?

1. Insulinresistenz

bedeutet, dass Ihr Körper, Ihre Zellen, nicht mehr so gut auf Insulin reagieren. Dass Ihr Insulin – egal ob „selbst produziert“ oder „selbst gespritzt“ – nicht mehr so gut wirkt, wie Sie es früher gewohnt waren. Kommt vor allem – aber nicht nur! – bei Übergewichtigen  mit Typ 2 und „Bauch-betontem Übergewicht“ vor. Die Zuckerwerte werden langsam immer schlechter…

PuddingInsulinresistenz kennen auch Typ 1 Diabetiker, es reicht ja schon, wenn man Arbeits-, Stress-, oder Krankheits-bedingt einige Zeit deutlich weniger Bewegung machte – und deutlich ungesünder gegessen hat.
Dann krabbeln die Nüchtern-Werte so ein bisschen rauf, Korrekturen „kommen“ nicht wie sie sollten, die Insulin-Wirkung scheint irgendwie „träge“, „unzuverlässig“…  meist ein Zeichen beginnender Insulin-Resistenz.

Die Lösung für alle Insulin-Resistenten: die Zellen wieder „gierig auf Insulin“ machen, also „hungrig“ – das geht durch Fasten, extrem Kohlenhydrat-arm Essen, Bewegung… und sehr gut helfen da die Hafertage.

2. Wie man Hafertage macht

3 Mahlzeiten: Frühstück, Mittagessen, Abendessen.

TeetasseNichts dazwischen. Achten Sie darauf, ausreichend zu trinken. Natürlich nur Getränke ohne  Zucker, ohne Kohlenhydrate. Wasser, Früchtetee, 1  -2 Tassen schwarzer Kaffee, eventuell, wenns denn sein muss, 1 – 2 Gläser Diät-Limo… hab ich Wasser schon erwähnt, unser gutes österreichisches Leitungswasser?

Die Basis jeder Mahlzeit sind Haferflocken. Ganz normale Haferflocken, wie Sie sie überall kaufen können. Ob nun „extra zart“, das bleibt Ihnen überlassen.

Für jede Mahlzeit nehmen Sie so 75 – 90 Gramm Haferflocken. Die Dünneren nehmen eher weniger, die Dickeren eher mehr. Die  Haferflocken werfen Sie in ein Häferl ( einen kleinen Topf) und schütten 300 – 500 ml Wasser oder, wenns „salzig“ werden soll, Gemüsebrühe ( ja die simple aus dem Würfel, fettfrei!) drüber.  Drehen die Herdplatte auf, lassen kurz aufkochen, Deckel drauf, 5 Minuten ziehen lassen. Das wars schon.

Den fertigen Haferbrei kann man verfeinern mit:

Wenn mit Wasser gekocht: süß mit Erdbeeren oder Himbeeren (pro Hafertag insgesamt! ca 50g), vielleicht ein bisschen Süßstoff, Zitronensaft dazu?… Köstlich!

Schüssel ReisWenn mit Gemüsebrühe: salzig mit kalorienarmen Gemüse wie Lauch, Champignons, … ( pro Hafertag insgesamt 100g!) , dazu Zwiebeln, Knoblauch, Kräuter, Gewürze, oder ganz wenig Sojasauce? Gute Köche können ja Zwiebel und Knofi und vielleicht auch Gewürze fettfrei anrösten und dann zum Hafer geben.

Mahlzeit!

 

3. Wie man die Behandlung anpasst

Achtung, der Hafertag senkt prompt den Blutzucker! Das muss man bei der Therapie mit bedenken.

Typ 2 Diabetes mit Tabletten:

die meisten Tabletten lösen keine Unterzuckerungen, keine Hypos aus.  Die können Sie also unbesorgt auch am Hafertag nehmen.

Die wichtige Ausnahme: Sulfonylharnstoffe und Repaglinid. Die bewirken,dass die Bauchspeicheldrüse mehr Insulin erzeugt, das den Blutzucker senkt – und die können sehr wohl Unterzuckerungen auslösen! Wenn Sie nicht sicher sind, wie Ihr Medikament wirkt, „Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker“ – nein besser Sie schauen zuerst selbst nach, zum Beispiel in der Medikamenten-Suchmaschine der Zuckertante ( alle österreichischen Medikamente sind erfasst).

RufzeichenACHTUNG: wenn Ihre Zuckerwerte in letzter Zeit sehr hoch waren, kann es sein, dass Sie _etwas_ niedrigere Werte, die normalerweise noch keine Hypo wären, als „zu tief“ und daher unangenehm spüren – wie eine Hypo eben. Hier gibts mehr dazu!

Typ 2: Insulin spät abends, „bedtime“:

soll Ihnen einen guten Nüchtern-Wert zaubern und muss normalerweise nach einem Hafertag nicht angepasst werden, spritzen Sie also am Abend Ihre gewohnte Dosis.

RufzeichenACHTUNG: Ausnahme: wenn Ihre Nüchtern-Werte recht tief liegen, oft unter 100mg% und erst recht, wenn Sie in den letzten Wochen eine Hypo nachts hatten: Insulin-Dosis an diesem Abend reduzieren – bitte mit Ihrem Arzt besprechen, meist wird er Ihnen ein Reduktion um ca.20 % vorschlagen.

Typ 2 mit Misch-Insulin ein- bis dreimal täglich

2 RufzeichenACHTUNG: der schnell wirkende Anteil im Misch-Insulin kann Ihnen am Hafertag Ärger, also zu tiefen Blutzucker bescheren. Dosis reduzieren, mit Ihrem Arzt vorab besprechen!! Oder zB an diesem Tag ein Insulin ohne schnell wirkenden Anteil verwenden – das genau anzupassen zahlt sich aus, wenn Sie ernstlich gegen starke Insulin-Resistenz vorgehen und Hafertage regelmäßig machen wollen!

Typ 1 und Typ 2  FIT-Therapie, Pumpe:

20g Haferflocken = 1 BE

RufzeichenACHTUNG: Haferflocken gehen langsam ins Blut, am Hafertag haben Sie fast kein Fett/Eiweiß dabei – –SEHR vorsichtig mit dem schnellen Insulin ! Wenn Sie nicht gewohnt sind, Ihre Spritz-Regeln selbst anzupassen: bitte mit Ihrem Arzt besprechen!

4. Was Ihnen Hafertage bringen können:

Am Hafertag – aber noch mehr am Tag danach: deutlich merkbar tiefere Zuckerwerte!

Achtung bei Insulin-Therapien: genießen Sie Ihre bessere Insulin-Empfindlicheit, messen Sie häufig, passen Sie Ihre Insulin-Dosierungen an! Keine Hypos entstehen lassen!

Für längerfristige Ergebnisse reicht natürlich ein Hafertag nicht.  Viele, gerade auch gut eingestellte Diabetiker, machen jede Woche einen Hafertag. Manche Typ 2 Diabetiker gleichen mit einem Hafertag pro Woche zu manchen kleinen „Diätfehler“ aus.

Es sind auch schon Diabetiker gesichtet worden, die nach einer Grillparty, nach einem Festessen gleich am nächsten Tag einen Hafertag einlegen, wenn man ohnehin noch satt vom Vortag ist. Um Insulinresistenz gar nicht erst entstehen zulassen. Eine kluge Vorgehensweise!

5. Mehrere Hafertage hintereinander? Bei frisch entdecktem Diabetes?

Als 3 tägige Haferkur. Warum nicht? Für übergewichtige, Insulin-resistente Menschen mit Typ 2 Diabetes kann das eine gute Sache sein. Aber UNBEDINGT vorab mit IHrem Arzt besprechen!

Viele Diabetes-Ärzte empfehlen Hafertage gleich nach der Diagnose eines Typ 2 Diabetes.

Ich mache das gerne so: natürlich NUR, wenn das sicher ist. Wenn der Stoffwechsel NICHT zu entgleisen droht, wenn NICHT sofort gehandelt werden – mit Tabletten unterstützt, Insulin gegeben werden muss!
Ich gebe dem neuen Typ 2 Diabetiker als erstes ein Blutzucker-Messgerät mit ein paar Teststreifen.

Eisbecher„Leben Sie doch noch einen Tag lang ganz normal wie früher, essen Sie wie vor der Diagnose und beobachten Sie Ihren Blutzucker. Messen Sie vor und 2 Stunden nach jeder Hauptmahlzeit, wenn es so etwas bei Ihnen gibt, mindestens aber viermal  am Tag.

Und am nächsten Tag essen Sie „Diabetes-gerecht“ oder Sie machen gleich Ihren ersten Hafertag. Dabei messen Sie wieder Ihren Blutzucker und schauen, ob sich etwas ändert!“ (Wer hat da jetzt was von „Henkersmahlzeit“ gemurmelt?)

Nur durch die Messungen am „Tag wie früher“ kann ein Diabetiker erkennen, WIE stark er seinen Blutzucker durch anderes Essen selbst beeinflussen kann. Ich finde es immer schade, wenn zuerst Diät-Empfehlungen und Medikamente gegeben werden und der neue Diabetiker erst einige Zeit später ein Messgerät bekommt. So kann er diese Erfolge gar nicht selbst beobachten! Dabei kann man gerade daraus so viel lernen!

Frisch entdeckte Typ 2 Diabetiker bekommen von den österreichischen Krankenkassen einmalig 50 Blutzucker-Teststreifen extra. Das ist eine feine Sache, damit kann man genau solche Tests gut machen. Damit schon der ganz neue Diabetiker sehen kann, wie er seine Werte beeinflussen kann. Dann kann er oder sie später viel besser entscheiden: „Dieses Essen jetzt – ist es mir den Zucker-Anstieg nachher wert?“

So, das wars zum Thema Hafertage. Machen Sie Hafertage? Wie? So wie hier beschrieben oder haben Sie Ihre eigenen Rezepte? Wie sind Ihre Erfahrungen? Schreiben Sie mir doch einen Kommentar dazu, gleich hier unten!

Was meinen Sie? Bitte hier klicken!

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