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Hypo? Was alles kann man da spüren?

Von Susanne Pusarnig / 28. September 2018

Hypos – fast jeder Diabetiker fürchtet sie. Hypo  = „Unterzucker“ = zu niedriger Blutzucker.
Wenn ich als Ärztin  Diabetiker betreue, muss ich auch über die prinzipielle Möglichkeit einer Hypo aufklären. Auch wenn es äußerst unwahrscheinlich ist… Und dann kommt immer die Frage: „Tja und was würde ich da spüren?“

Och, man kann ganz Verschiedenes bei einer Hypo spüren! Symptome, Anzeichen, können überall dort auftreten, wo Versorgung mit Energie, also Zucker, besonders wichtig ist.

Was im Gehirn passiert

Das Gehirn braucht dauernd, ständig, tagsüber wie nachts, Nachschub an Glukose, also Zucker. Nur so kann es gut arbeiten. Wenn das Gehirn zu wenig Zucker-Nachschub bekommt, alarmiert es zuerst das „vegetative Nervensystem“, das unseren Körper am Laufen hält, ohne dass wir viel davon bemerken.
Erste Anzeichen
Vogerl im Hypo• Schwitzen
• Zittern
• „flaues Gefühl“ im Bauch
• Übelkeit
• Erbrechen
• Hitze-Gefühl
• Hunger-Gefühl
• schnellerer Herzschlag
• höherer Blutdruck
• Zittern
• „bamstiges“, eigenartiges Gefühl um den Mund oder auch im Mund

Und wenn man da nicht reagiert?

Wenn der Zucker weiter absinkt, werden die Beschwerden heftiger. Und dann macht sich der Zuckermangel so richtig im Gehirn bemerkbar:
Zeichen, dass das Gehirn schon zu wenig Zucker bekommt:
Vogerl ganz ko• Müdigkeit
• Schwindel
• Kopfschmerzen
• Schläfrigkeit
• Seh-Störungen
• Sprech-Störungen
• Konzentrations-Störungen
• Verstimmung
• Reizbarkeit
• ungewöhnliches Verhalten
• Verwirrung
• „Automatismen“, zum Beispiel sinnloses Grimassieren oder, Schmatzen
• Aggressivität
• Doppelbilder
• Krampfanfälle
• Bewusstseins-Trübung bis hin zur Bewusstlosigkeit

Die Liste ist lang.

Natürlich hat niemand ALLE diese Anzeichen! Meist spürt man eines oder zwei der Anzeichen, die in der ersten Liste aufgeführt sind, bei schwereren Hypos auch welche von der zweiten.

Jeder Diabetiker hat seinen eigenen „Mix“

Deshalb gibt es keine gute Antwort auf die Frage: „Wenn ich einmal eine Hypo hätte, wie würde ich die denn spüren?“
Tja – durch eines oder mehrere der oben angeführten Symptome. Was genau „seine“ Hypo-Anzeichen sind, weiß jeder Diabetiker erst dann, wenn er die ersten -– hoffentlich leichten! -– Hypos gehabt hatte.
Und außerdem gibt´s Diabetiker, die haben Hypo-Anzeichen, die in keinem Buch stehen. Ich habe da schon gehört: „Gefühl von Schnupfen in der Nase“, „Kribbeln im 4. und 5. Finger der linken Hand“, „träumerisch werden“, „Musik intensiver empfinden“ usw. usf.…

Zucker messen? Wann?

Es ist wichtig, dass Sie Ihre persönlichen Anzeichen für Hypos kennen!
Ihr Messgerät hilft Ihnen, das heraus zu finden. Wenn irgend etwas sich „komisch“ anfühlt, wenn Sie etwas „Eigenartiges“ spüren oder eines der Symptome aus den obigen Listen: holen Sie sich etwas zum Bekämpfen der Hypo!
Bekämpfen, also behandeln Sie die „Vielleicht-Hypo“ und messen Sie! ZuckerwürfelWichtig:

 

ZUERST etwas Süßes essen, DANN erst denZucker messen!

Womit Sie Ihre Hypo behandeln sollen? Dazu mehr in einem der nächsten Beiträge. Da gibts viele Möglichkeiten, Traubenzucker ist immer richtig!

Hypo oder nicht?

Natürlich ist nicht jede kleine Unpässlichkeit, ist nicht jedes Zwicken und Zwacken im Körper, gleich ein Anzeichen für eine Unterzuckerung. Kann sein, dass das, was Sie gespürt haben, gar keine Hypo war – naja, dann ist Ihr Blutzucker eben ein Weilchen etwas zu hoch. Das ist immer noch besser als wenn Sie durch das Messen Zeit vertrödeln. Den die Anzeichen für Hypos können von Minute zu Minute stärker werden – Ihr Körper will Ihnen ja unbedingt sagen, dass er ganz schnell Zucker braucht!

Erfahrung hilft

Je länger Sie Diabetes haben, desto sicherer werden Sie werden. Sie werden wissen und spüren, wie Sie Empfindungen einzuordnen haben. Sie werden Ihren ganz persönlichen Mix aus Hypo-Warn-Symptomen kennen. Auch die Menschen um Sie herum werden es Ihnen oft schon „an der Nasenspitze“ ansehen, wenn Ihr Blutzucker zu tief rutscht. Angehörige und Hypos – das ist ein eigenes Kapitel…

Manchmal ist alles ganz anders

Aber Achtung: zwar haben fast alle Diabetiker „ihre“ typischen Hypo-Symptome, die auch „praktisch immer“ auf eine Hypo hinweisen. Und doch kann es – selten – einmal sein, dass Sie etwas ganz Anderes, Ungewohntes spüren, – ein Hypo-Symptom, von dem Sie zwar gehört haben, das Sie aber bei sich selbst nie wahrgenommen haben.
So was KANN vorkommen. Also wenn Ihnen etwas als ziemlich eigenartig erscheint: lieber überlegen, ob das nicht eine Hypo sein kann. Ganz besonders dann, wenn auch noch die „Umstände“ rundherum stimmen: Sie viel Bewegung gemacht haben, zu wenig gegessen ….

Und wenn man gar nichts spürt?

Sie haben die Liste oben gelesen und sind verzweifelt: „Ich spüre meine Hypos eben nicht! Ich messe manchmal sogar Werte unter 50 (40, 30) mg% /dl (2,8 mmol/l und weniger) und hab nichts davon gespürt ….“
Das gibt´s auch, und es ist ziemlich schwierig damit zu leben! Das nennt man Hypo-Unawareness oder auch Hypo-Wahrnehmungsstörung , das „Nicht-Merken“ von Hypos.
Das kann man mit viel Geduld wieder in Ordnung bringen. Dazu mehr in einem der nächsten Beiträge meiner kleinen Hypo-Serie.

3Kommentare
Waltraud Nießner - 28. September 2018

Ich spüre Unterzuckerung so ab 60 als Druck in den Ohren. Mein Mann merkt es, wenn ich beim Gehen grundlos langsamer werde. Wenn ich nicht rechtzeitig gegensteuere, versteinere ich plötzlich und bin nicht mehr in der Lage, überhaupt irgend etwas zu tun.

Antworten
    Susanne Pusarnig - 29. September 2018

    Danke – da ist ein ungewöhnliches und sicher sehr lästiges Symptom! Was passiert denn, wenn Sie alleine sind?

    Antworten
Waltraud Nießner - 29. September 2018

Das ist mir zum Glück noch nie passiert, wenn ich allein war. Wahrscheinlich bin ich dann achtsamer und reagiere rechtzeitig . Allzu oft ist es insgesamt noch nicht vorgekommen.

Direkt antworten war jetzt leider nicht möglich.Ich bekam die Meldung, die Mailadresse sei ungültig.

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