Diabetes Typ 1, 2, 3 oder doch LADA? - Zuckertante.at

Diabetes Typ 1, 2, 3 oder doch LADA?

Von Susanne Pusarnig / 11. Dezember 2016
Seminar

Frage: Soo hallo ich trau mich fragen *gg*
Was für Diabetes könnt ich denn haben?  Hab Diabetes erst seit einem Jahr, vorher nicht,  bin 49 Jahre und schlank, hatte Bauchspeicheldrüsenentzündung akut mit Lebensgefahr im Winter 2015 . Jetzt hat ein Arzt gesagt ich bin Typ 3.
Ich lese aber nur von Typ2 oder Typ 1 aber auch von LADA und hab extra deshalb auch auf Lada untersuchen lassen  und hab dafür extra bezahlen nüssen….bin angeblich lt. dem Arzt von heute  kein LADA
Ich hoff es stimmt so, aber bitte welche Werte am Blutbefund sagen nun echt aus ob man ein LADA Typ ist????
Ganz liebe grüsse
Hannes

Antwort der Zuckertante:

Hallo Hannes, ja trauen Sie sich nur fragen!

Sie sind seit einem Jahr Diabetiker und fragen sich, welchen Typ Diabetes Sie haben.
Und da schwirren jetzt die Begriffe, LADA, Typ 3 usw herum.

Die Antwort wird Ihnen wahrscheinlich nicht sehr gefallen, aber leider ist es so:

sehr oft kann man das einfach nicht genau sagen.

Warum? Gehen wir es der Reihe nach durch:

Typ 1 Diabetes

das ist ja die Form, bei der Ihr Körper selbst ganz besondere Eiweiße („Antikörper“) entwickelt, die bewirken, dass Ihre Bauchspeicheldrüse immer weniger und weniger Insulin herstellen kann. Dass Sie dann sehr schnell so wenig Insulin im Körper haben, dass Sie es mit Spritzen ergänzen und später ganz ersetzen müssen.

LADA-Diabetes:

der läuft eigentlich fast genau so ab wie der Typ 1 Diabetes, nur viel, viel langsamer. Über Monate und Jahre. So dass Menschen mit LADA Diabetes sehr oft anfangs als Typ 2 Diabetiker behandelt werden.

Bei beiden Diabetes-Formen, beim Typ 1 und beim LADA, bildet der Körper ganz spezielle Abwehrstoffe, eben die „Antikörper“, gegen genau die Zellen in der Bauchspeicheldrüse, die das Insulin produzieren. Und diese Antikörper kann man versuchen, im Blut zu finden.
Die beiden wichtigen sind ICA (=Inselzellantikörper) und GADA (=Antikörper gegen das Enzym Glutamat-Decarboxylase).

Ich nehme an, dass die bei Ihnen bestimmt wurden.

ICA und GADA

Das Schwierige dabei ist: WENN Ihre ICA- und /oder GADA-Werte hoch sind, dann haben Sie den Beweis, dass Sie diese Antikörper im Blut haben, und dass Sie daher einen Typ 1 oder LADA Diabetes haben. Bei sehr hohen Werten eher den Typ 1. So weit, so klar.

ABER: wenn der Wert negativ, also normal ist, beweist das leider gar nichts. Dann können Sie noch immer nicht ganz sicher sein, dass Sie KEINEN Typ 1 oder Lada haben. Weil die Antikörper nicht immer regelmäßig produziert werden.

ICA und GADA erhöht -> Insulin

Das heisst jetzt für Sie: wenn in Ihrem Blut ICA oder GADA- Antikörper gefunden werden, dann müssen Sie damit rechnen, dass Ihr Diabetes auf längere Sicht nur mit Insulin gut einstellbar ist.

That’s it. Nicht mehr und nicht weniger.

pen_rotWozu dann ins Labor?

Was bringt es dann überhaupt, die Antikörper bestimmen zu lassen? Naja, wenn die gefunden werden, sollte man sich schon überlegen, rechtzeitig mit Insulin anzufangen und nicht erst lange mit Tabletten alleine herum zu probieren. Es dürfte auch so sein, dass eine frühe Behandlung mit Insulin die Betazellen entlastet und dass Sie dadurch noch länger eine Rest-Produktion von Insulin haben, so dass Ihr Zucker leichter einstellbar ist.

Bauchspeicheldrüsen-Entzündung = Pankreatitis

Bei Ihnen kommt ja noch etwas dazu: Sie schreiben, dass Sie eine schwere Entzündung der Bauchspeicheldrüse hatten. Und dass Sie danach den Diabetes entdeckten. Da ist es schon wahrscheinlich, dass durch die Entzündung viele von den Betaellen zerstört wurden, also von den Zellen, die Insulin herstellen sollen. Somit hätten Sie einen „Typ 3 Diabetes“.

Typ 3 Diabetes:

Alle Diabetes-Formen,  die nicht Typ 1 oder Typ 2 oder LADA sind. Zum Beispiel eben, wenn man hohe Zuckerwerte hat nach einer Erkrankung oder Operation an der Bauchspeicheldrüse.

Es gibt keine Blutwerte, die Ihnen „beweisen“, dass Sie Diabetes aufgrund der Bauchspeicheldrüsen-Entzündung haben.

Sie sehen, alles nicht so einfach. Zumindest in der Theorie nicht so einfach.

In der Praxis ists leichter:

Der Verlauf Ihrer Zuckerwerte zeigt Ihnen recht schnell, ob Sie Insulin brauchen. Wenn die Behandlung mit Tabletten nicht funktionieren will, wenn Sie immer wieder nach kurzer Zeit ein anderes oder ein zusätzliches Medikament brauchen, dann ist es sicher klüger, rechtzeitig mit Insulin zu beginnen. Eben weil ein Schaden an den Insulin-produzierenden Zellen durch die Krankheit wahrscheinlich ist.

Wenn Ihre ICA- oder GAD- Antikörper hoch sind, dann ist eine schnelle Insulin-Therapie noch dringender. Das scheint aber nicht der Fall zu sein, Ihr Arzt hat Ihnen ja gesagt, dass die Werte ok sind.

logo_zuckertanteIch verstehe schon, dass Sie das alles sehr beschäftigt. Ich frage mich aber auch ein bisschen, warum Sie sich gar so große Sorgen machen. Wenn Sie jetzt, nach über einem Jahr mit Diabetes, nach dem Diabetes-Typ fragen, dann, denke ich mir, könnte es sein, dass es mit Tabletten nicht mehr recht funktioniert und Ihnen zu Insulin geraten wird. Könnte dahinter stecken, dass Sie ein bisschen Angst vor der Insulin-Therapie haben?
 Wenn ja, dann hilft es Ihnen wahrscheinlich gar nicht, wenn ich Ihnen hier sage, dass das Insulin-Spritzen viel einfacher ist als Sie sich das jetzt vorstellen, dass es weniger wehtut als sich in den Finger zu stechen, um Blutzucker zu messen! Und dass Sie so vorsichtig mit Insulin beginnen können, dass Sie nicht befürchten müssen, gleich in eine Unterzuckerung, einen Hypo zu rutschen.
Wenn Ihnen Ihre Zuckerwerte zeigen, dass Ihr Körper Insulin braucht, dann geben Sie es ihm!
Suchen Sie sich gute, kundige Begleitung, zum Beispiel in einer Diabetes-Ambulanz. Und dann versuchen Sie es einfach! Sie werden überrascht sein, wie gut Sie sich fühlen, wenn Sie von diesem wichtigen Hormon wieder genug im Blut haben!

Die Zuckertante grüßt und wünscht allzeit gute Werte!
2Kommentare
hanna sch. - 14. Dezember 2016

puh kompliziert!aber gut erklärt! Ich bin so ein lada! aber brauche nur basis-sinulin, hoffentlich bleibts lang so!

Antworten
    Susanne Pusarnig - 14. Dezember 2016

    Alles Gute! “ sinulin“ st ein netter Vertipper! 😉

    Antworten
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