Diabetes und Depression

Diabetes und Depression

Depression Diabetes

Depression – ein ungeliebtes „Haustier“

 

Hechelnd, zottelig, groß, stinkend. Und schwarz, sehr schwarz mit glühenden Augen. Winston Churchill hatte einen, Charlie Chaplin auch, einen kleineren wendigen, immer neugierigen. Auch heute noch sind sie weit verbreitet, obwohl man sie nicht sieht.

Menschen mit Diabetes halten sich besonders oft einen. Einen „Schwarzen Hund“, so einen, der sich nicht benehmen kann, der immer nur fressen will, oft um 3 Uhr morgens, der sich auf die Füße seines Herrchens oder Frauchens legt und so schwer macht, dass man nicht mehr aufstehen kann, manchmal tagelang nicht. Einen schwarzen Hund, der so lästig ist mit seinem dauernden bedrohlichen Knurren, dass jeder heilfroh ist, wenn das Tier einen seiner langen Ausflüge macht. Ja, die meisten Hundebesitzer wünschen sich glühend, er möge nie nie wieder zurück kommen!

Schwarzer Hund – so hat Winston Churchill seine Depression genannt, die ihn ein Leben lang immer wieder quälte, die manchmal innerhalb von Stunden aus einem großen Staatsmann einen elenden großen stummen Haufen Mensch machte. „Vergessen Sie nicht, wir sind im Krieg gegen unsere schwarzen Hunde“ sagte er einmal zu einer Leidensgenossin.

Einen offenen Krieg führen gegen den schwarzen Hund Depression – zu Churchills Zeiten war das ein mutiger, ehrenwerter Weg, die Depression immer wieder zu verscheuchen, es war ja auch der einzig mögliche.

Diabetes und Depression

Menschen mit Diabetes werden besonders oft von diesem ungeliebten Haustier heimgesucht: Ungefähr jeder 7. Mensch erlebt mindestens einmal in seinem Leben eine Depression, bei Diabetikern ists deutlich häufiger.

Wenn Sie dazu gehören:

Sie sind nicht alleine mit Ihrer Depression!

Da draußen laufen tausende schwarze Hunde herum auf der Suche nach neuen Opfern.

Sie müssen nicht mehr allein Krieg führen gegen ihren Schwarzen Hund. Forscher haben recht genau herausgefunden, was bei einer Depression passiert in unseren Körpern, in unseren Gehirnen. Ärzte können Ihnen heut helfen Ihren Hund zu verjagen, manchmal so, dass er nie mehr zurück kommt – und wenn er doch wiederkommt,  dann meist als etwas kleineres etwas zahmeres Tier, das doch ein bisschen auf Ihre Bitten und  Kommandos hört.

Depressionen sind häufig.

Eine Depression ist eine Krankheit, manchmal eine schwere Krankheit.
Eine Depression lässt sich von guten Ratschlägen und aufmunternden Worten nicht beeinflussen.

Eine Depression beginnt langsam oder bei manchen ein wenig schneller. Sie wird schlimmer, erreicht ihren Tiefpunkt und dann geht’s langsam wieder aufwärts.
Eine Depressionen kann man behandeln. Zuerst mit Tabletten und mit Psychotherapie.

In leichteren Phasen gibt es viele andere Hilfen: Licht, Bewegung, Omega 3 Fettsäuren, guter Schlaf, Meditation und MBSR (Achtsamkeit-Übungen).

Was eine Depression ist, wie man sie mit ein paar Fragen erkennt, wie man sie gegen andere körperliche  Erkrankungen abgrenzt, was alles gegen Depressionen helfen kann: das erfahren Sie in diesem Artikel:

Inhalt:

 

  1. Diagnose der Depression
  2. Laboruntersuchungen: warum und welche?
  3. Medikamente, die Depressionen auslösen können
  4. Psychotherapie und/oder Medikamente
  5. Nicht Medikamentöse Hilfen
  6. Verlauf von Depressionen
  7. Was Sie gegen Depressionen vorbeugend tun können

1. Diagnose der Depression

Nicht jeder schlechte Tag, nicht jede Verstimmtheit und bestimmt nicht jedes traurig sein ist schon eine Depression. Wenn Ihr Hausarzt, Ihre Hausärztin antesten will, ob Sie eine Depression haben, wird er oder sie Ihnen 2 ganz einfache Fragen stellen:

„Fühlten Sie sich im letzten Monat häufig niedergeschlagen, traurig bedrückt oder hoffnungslos?“
„Hatten Sie im letzten Monat deutlich weniger Lust und Freude an Dingen, die Sie sonst gerne tun?“

Wenn Sie beide Fragen mit Ja beantworten, ist die Diagnose Depression schon in der Nähe

Weiter geht es mit Fragen nach Haupt- und Neben- Symptomen, nach körperlichen Beschwerden, nach Schlaf-Störungen, …

Damit kann man die schwere einer „depressiven Episode“ besser einschätzen. Ja, die Diagnose heißt heute korrekterweise zuerst einmal „Depressive Episode“ und nicht gleich „Depression“ – weil fast alle Depressionen vorbei gehen, wieder aufhören, keine Diagnose fürs ganze Leben sind.

Depression oder „vom Diabetes“?

Ist das nun wirklich eine Depression, also eine Krankheit ganz unabhängig vom Diabetes?
Oder?
Das ist oft ganz schwierig auseinander zu halten. Denn:

Zu hohe Zuckerwerte machen müde, antriebslos…. !

So ist es oft schwer, genau zu unterscheiden: Beschwerden von den zu hohen Zuckerwerten – oder eine Depression, unabhängig vom Diabetes?

Dazu kommt noch: Wenns einem seelisch schlecht geht, wird es immer schwerer, sich gut um seinen Diabetes zu kümmern, was ja auch „Arbeit“ ist  – auch jemand, der sonst gute bis „mittelprächtige“ Blutzucker-Werte hat, kann in so einer Situation nur zu leicht in dauernd stark erhöhte Zuckerwerte rutschen.
Zumal ja auch die Bewegung im Freien wegfällt, wenn man sich zuhause verkriecht… und das Essen wird dabei auch nicht gesünder…. und das Aufschreiben der Zuckerwerte fällt immer schwerer…. wird bald vergessen…. wenn jeder Blick auf die Anzeige des Zucker-Messgerätes nur mehr nervt, dann liegt es nahe, immer seltener den Blutzucker zu messen, weil man ihn gar nicht sehen will…  Arzttermine?

Schwierig. Wirklich, wirklich schwierig.

Was helfen kann:

  • ein gutes Verhältnis zum Hausarzt, zur Hausärztin, zum Diabetes-Team.E
  • in nahestehender Mensch, der sich „kümmert“ und auf einen Arzt-Termin drängt.
  • Eventuell Diabetes-Betreuung teilweise übers Internet – das ist heute schon möglich .
  • Das Wissen darum, dass zu hohe Zuckerwerte und Depression sich gegenseitig verschlechtern können
  • Nicht zu stolz sein, Hilfe anzunehmen….

Wichtig: immer bei einer Depression auch drauf schauen, dass die Zuckerwerte nicht zu schlecht werden!

2. Laboruntersuchungen : warum und welche?

Es gibt körperliche Krankheiten, die Depressionen auslösen können. Und es wäre nicht  nur  schade, sondern auch unverantwortlich, würde man die Diagnose „Depression“ stellen, wenn in Wirklichkeit etwas anderes vorliegt:

Krankheiten, die Depressionen auslösen können:

  • Vitamin B 12 Mangel – perniziöse Anämie (ältere Menschen! Lange Einnahme von „Magenschonern“!)
  • Andere Anämien („Blutarmut“, zu wenige rote Blutkörperchen = Erythrozyten)
  • Schilddrüsen-Unterfunktion („Hypothyreose“I
  • Sehr seltene Erkrankungen der Nebenniere
  • Fruchtzucker-Unverträglichkeit ( Fruktose-Intoleranz)

Daher gehört zur Diagnose einer Depression eine Blutabnahme inklusive Abklärung einer möglichen Anämie, Vitamin B12, Schilddrüsen-Werte, Eisenstoffwechsel

3. Medikamente, die Depressionen auslösen können:

 

  • Psychopharmaka, besonders Benzodiazepine, Neuroleptika und manche illegale Drogen
  • Zytostatika
  • Sehr selten Antibiotika oder Statine

Natürlich wird man, wenn eine andere Krankheit da ist,  zunächst die behandeln!

4. Psychotherapie und/oder Medikamente?

 

Wenns nun aber doch eine Depression ist, sollte möglichst bald eine Behandlung beginnen:
Viele Studien zeigen, dass Psychotherapie und Tabletten gegen Depressionen gleich gut wirksam sind.
Nur sind Medikamente sofort in jeder Apotheke sofort zu haben, während es für Psychotherapie Wartezeiten und viel zu wenige von den Krankenkassen bezahlte Plätze gibt.

Wenn Sie mit Psychotherapie beginnen möchten: da gibt es gute Erfolge mit Verhaltenstherapie, Gesprächstherapie, systemischer Therapie,… am besten fragen Sie Ihren Therapeuten, Ihre Therapeutin ob er oder sie Erfahrung hat mit Menschen mit Depressionen!

Wenn Ihr Arzt, Ihre Ärztin Ihnen rät, Tabletten zu nehmen, dann sagen Sie nicht sofort „nein“ ! Depressionen sind – auch – eine Art „Stoffwechselstörung“ im Gehirn, und die kann man mit Tabletten beeinflussen.

Ich habe als Hausärztin oft mit Menschen mit Depressionen zu tun gehabt und ich kann nur bestätigen, was alle Richtlinien zur Behandlung der Depression sagen: Medikamente können gut helfen. Vor allem am Anfang, da ist es immer wichtig, dass als erstes versucht wird, ein paar Stunden ungestörten Schlaf zu ermöglichen. Dazu  muss man nicht sofort „Schlaftabletten“ nehmen, es gibt auch Medikamente, die gegen Depressionen entwickelt wurden, und die  – sozusagen als angenehme Nebenwirkung – das Einschlafen leichter machen. Wenn die nicht ausreichen, sollte man aber trotzdem noch „Schlaftabletten“ versuchen, nur für die Zeit, wo man sie wirklich braucht – kurz genommen, sind die nicht schädlich und kurz genommen entsteht auch so gut wie nie eine Abhängigkeit!

Anti-Depressiva heißt die Medikamenten-Familie, aus der Ihnen Ihr Arzt, Ihre Ärztin wahrscheinlich ein Medikament verordnet.
Da gibt es viele verschiedene, eins haben sie alle gemeinsam: sie wirken leider erst nach einiger Zeit!

Als Hausärztin hab ich meinen Patienten immer gesagt: „Ideal in den ersten 2 Woche ist es, wenn sie gar nichts spüren! Wenn Sie sich ärgern, dass „das Zeug überhaupt nichts tut“, dann ist das genau das Richtige – daran sehen wir, dass Sie die Tabletten gut vertragen. Und dann kommen Sie bitte in 10 – 14 Tagen wieder und wir reden noch einmal darüber.“

Meistens ist es so, dass man erst dann, wenn das erste Packerl Tabletten leer ist, also nach einem Monat, sagen kann, ob die Tabletten angenehm sind, etwas Gutes bewirken: etwa, dass man seine Emotionen, seine Gefühle besser „im Griff hat“, besser selbst steuern kann, dass man zum Beispiel nicht „grundlos bei jeder Kleinigkeit“ losweint oder ganz starke Stimmung-Schwankungen hat.

Ihr Hausarzt, Ihre Hausärztin wird Sie bei Depression wahrscheinlich auch  zum Facharzt überweisen, also zu einem Psychiater. Nein, Psychiater sind nicht „Doktoren für Verrückte“! Sondern Fachleute, die sich mit Gehirn-Stoffwechsel,  mit den vielen Transmittern usw und mit Erkrankungen im Gehirn gut auskennen und die Ihnen gut weiterhelfen können. Es ist absolut sinnvoll, zum Spezialisten zu gehen! Schließlich lassen Sie einen Knöchelbruch ja auch nicht vom Hausarzt operieren…..

5. Nicht medikamentöse Hilfen – also alles andere:

Ernährung:

Dazu geistern viele Theorien im Internet herum. Sicher ist, dass ein gutes, gesundes Essen immer gut ist, auch bei Depressionen – aber wahrscheinlich nur machbar, wenn Sie jemanden haben, der Sie versorgt.

Für Omega 3 Fettsäuren gibt es positive Studien – es könnte schon Sin machen, ein Präparat mit Omega 3 Fettsäuren zusätzlich zu nehmen.

Bewegung:

Für Kraft-Training, fürs Spazierengehen und fürs Joggen gibt es positive Studien. Aber auch da ist das Problem, dass man in der akuten Phase der Depression nur sehr schwer außer Haus kommt.

Achtsamkeit:

Das Achtsamkeits-Training bei Depressionen gut wirkt, ist bewiesen. Dazu gibt es sogar eine eigene Form, die  „Achtsamkeitsbasierte Kognitiven Therapie (MBCT)“, die sehr gut gegen Rückfälle helfen kann. Übersicht über Kurs-Angebote in Österreich hier: https://mbsr-mbct.at/  in Deutschland https://www.mbsr-verband.de/   in der Schweiz https://www.mindfulness.swiss/

Nicht durch Studien gestützt, einfach aus langjähriger Erfahrung als Hausärztin, möchte ich noch hinzufügen: wenn die Depression leichter wird, dann ist es gut, sich eine Beschäftigung, ein Hobby, eine Aufgabe zu suchen, die einem einfach gut tut, nicht stresst, sondern beruhigt: ein Kurs in Yoga, Tyi Chi, Qigong, musizieren, ein Instrument lernen, malen, töpfern… nicht zuletzt: ein Haustier! (das aber bitte besonders gut überlegen: es sollte sichergestellt sein, dass jemand einspringen und sich um das Viecherl kümmern kann, falls Sie eine weitere depressive Episode erleben – andererseits wirds dann besonders schlimm, vom Tierchen getrennt zu sein. Aber wen Sie mit Partner, mit Partnerin leben, kann eine Katze, ein Hund DIE Idee sein…)

 

6. Verlauf von Depressionen

Das glaubt niemand, der das erste Mal eine Depression erlebt:

Die Depression ist in gewissem Sinn eine „Krankheit wie alle anderen“, und es gibt einen „typischen“ Verlauf – wie bei Bronchitis oder Schnupfen!

Die „Akut-Phase“ ist meistens nach ein paar Wochen vorbei, dann wirds langsam besser. Die Behandlung mit Psychotherapie und/oder Tabletten bewirkt vor allem, dass die Depression weniger schwer verläuft und schneller vorbeigeht. Manchmal bessert sich erst mit der Einnahme von Medikamenten etwas. Für ungefähr die Hälfte der Betroffenen wars das – die Depression kommt nicht mehr wieder!

Die andere Hälfte der betroffenen erlebt innerhalb von 10 Jahren eine 2. „depressive Episode“.

Und manche leider immer wieder, manche reagieren auf die Jahreszeiten,  wenns draußen dunkler wird, im späten Herbst, wird alles wieder schlimmer. Da kann es klug sein, rechtzeitig wieder mit der Einnahme von Medikamenten anzufangen, bevor die Symptome ganz schlimm sind – kluge Patienten und deren Angehörige erkennen die Anzeichen schon sehr früh! Da führt uns zu:

7. Was Sie gegen Depressionen vorbeugend tun können

 

Vorbeugung mit Tabletten

 

Für Menschen, die häufiger Depressionen bekommen, sollte überlegt werden, ob nicht eine vorbeugende Einnahme einer geringen Dosis eines Medikamentes gegen Depression sinnvoll ist – ich kenne einige Leute, die damit sehr gut zurecht kommen und die dann, wenn sie merken, dass eine neuerliche Depression „im Anmarsch“ ist, sofort die Dosis ihres Medikaments erhöhen und so schwere Rückfälle abfangen können.

Rückfälle frühzeitig erkennen

Dafür ist es wichtig, sich ehrlich mit der Krankheit auseinander zu setzen, in der „Ruhe nach dem Sturm“, wenns einem besser geht, mit dem Partner, der Partnerin offen zu sprechen.

Natürlich wünscht sich jede, jeder, der „schwarze Hund“ möge nie, nie mehr wiederkommen – klug ist es, trotzdem mit der Möglichkeit zu rechnen. Vereinbarungen mit dem Partner, der Partnerin müssen in guten Zeiten getroffen werden! Etwa, dass er oder sie es sagen darf, wenn er oder sie meint, Anzeichen für eine neuerliche Depression zu erkennen. Und dass man als Betroffener, als Betroffene die Sorge ernst nimmt und ernstlich überlegt, ob es stimmen könnte, dass man sich gerade wieder verändert – vielen Partner bemerken bei dem Menschen, den sie lieben, Veränderungen früher als er oder sie selbst! (Das gilt übrigens auch für Hypos, aber das ist eine andere Geschichte).

Das Leben genießen

Was IN der depressiven Phase wie ein Hohn klingt, wird NACH der Erkrankung umso wichtiger: wahrnehmen, was alles gut und schön ist im Leben, bewusst sich Dingen zuwenden, die einem einfach gut tun. Wie oben unter Punkt 5 aufgezählt: Aktivitäten, die das Stress-Nervensystem etwas bremsen, die Erholung, Ruhe, Freude bringen – von Bewegung über künstlerische Betätigung bis zu Reisen, einfach allem, was man „lange schon einmal tun wollte“.

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Dr. Susanne Pusasrnig

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