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In den Wechseljahren Diabetes bekommen?

Von Susanne Pusarnig / 27. Oktober 2018
Apfelform und Birnenform

Stimmt es, dass Frauen in den Wechseljahren Diabetes häufiger bekommen als davor und danach?

Für den Typ 2 Diabetes stimmt das!

Das liegt an der Hormon-Umstellung während der Wechseljahre. Bevor wir uns das näher ansehen, hier ein paar Begriffe:

  • Wechseljahre: ist die Zeitspanne, in der die Fruchtbarkeit der Frau nachlässt, wo es zu Hormon-Schwankungen und -Umstellungen kommt.
  • BLumenMenopause: so heißt die letzte Regelblutung – also kann man diesen Zeitpunkt immer erst im Nachhinein angeben! Sogar erst ein Jahr im Nachhinein. Weil die Regelblutungen in dieser Zeit oft schon so unregelmäßig sind, kann man erst nach einem Jahr ohne Regelblutung sagen: „Also DAS war die Menopause!“ Im Durchschnitt mit 52 Jahren, aber es gibt auch Frauen, bei denen die Menopause deutlich früher oder später eintritt.
    Diabetikerinnen neigen dazu, deutlich früher in die Wechseljahre zu kommen und auch früher die Menopause, ihre letzte Regelblutung, zu erleben. Das gilt für Typ 1 und für Typ 2 Diabetikerinnen und ist vielleicht nicht ganz unwichtig für die Familienplanung.
  • Östrogene: einige der wichtigsten Frauen-Hormone. Es gibt paar verschiedene, wir sagen ab jetzt einfach: „Östrogen“:Vor der Menopause erzeugen es die Ei-Bläschen, in denen jeden Monat eine neue Eizelle heranreift. Von dort rinnt es ins Blut. Das Östrogen im Blut wird dann immer mehr, so viel, dass es im Gehirn den Befehl zum Eisprung auslöst. In der Schwangerschaft stellt die Plazenta viel Östrogen her, bis zur Geburt.

Östrogenspiegel in den Wechseljahren

In den Wechseljahren wird immer weniger Östrogen hergestellt, also wird auch die Menge Östrogen, die man im Blut messen kann (der „Östrogenspiegel“) immer niedriger.

Vogerl hüpftNur geschieht das leider nicht langsam und gleichmäßig sondern unvorhersehbar und in Sprüngen! Die Östrogen-Menge im Blut schwankt dadurch in diesen Jahren sehr stark. Und der Blutzucker „hüpft mit“ – was Diabetikerinnen bemerken, wenn ihre Zuckerwerte in diesen Jahren stark schwanken und es schwer ist eine gute stabile Zucker-Einstellung zu halten.

Chaotische Zuckerwerte

Da können (zu) hohe Zuckerwerte und (zu) tiefe einander abwechseln. Diabetikerinnen, die Insulin spritzen, müssen ihre Insulin-Dosierungen immer wieder anpassen. Leider kommt es auch leichter zu Hypos!

Hypos? Frag die Zuckertante!

Ach – hab ich schon erwähnt, dass ich ein Buch über Hypos, über Unterzuckerungen geschrieben habe?Hier auf Amazon ganz einfach zu bestellen als E-Book oder Taschenbuch!

Zurück zu den wichtigsten Hormonen der Wechseljahre, den Östrogenen:

Östrogene und Insulinwirkung

Östrogene sind mächtige Hormone, die viel mehr können, als „nur“ den weiblichen Zyklus steuern. Sie sind wichtig für die Knochendichte und eben für den Zucker-Stoffwechsel!

Östrogene verstärken die Insulinwirkung.

Das heißt, wenn viel Östrogen im Blut ist, wirkt das Insulin stärker. Wenn weniger Östrogen im Blut ist, wie eben in den Wechseljahren, dann kann das Insulin nicht so gut an den Zellen wirken. Das nennt man dann Insulinresistenz.

Zum Glück geht das Östrogen nie ganz verloren, ein wenig Östrogen wird zeitlebens in der Nebenniere erzeugt, übrigens auch bei den Männern. So wie Frauen auch immer ein klein wenig männliches Testosteron im Blut haben.

Was heißt das für den Stoffwechsel von Frauen, die bis dahin gesund waren?

Östrogen wird weniger. Insulin kann an den Zellen nicht so gut wirken, das heißt, dass das Insulin nicht so gut den Zucker aus dem Blut in die Zellen hinein befördern kann. So schwimmt im Blut immer mehr Zucker herum. Die Sensoren in unserem Körper merken dass und die Bauchspeicheldrüse beginnt, mehr Insulin zu produzieren, damit der Zuckergehalt des Blutes nicht zu hoch wird.

bunte BlumenVermehrt Insulin produzieren ist anstrengend für die Bauchspeicheldrüse. In ganz gesunden Frauen schafft das die Bauchspeicheldrüse, sie gewöhnt sich an die gesteigerten Anforderungen in und nach den Wechseljahren und die Zuckerwerte bleiben schön brav im gesunden Bereich.

Und für Frauen mit einer Diabetes-Vorstufe?

Wenn die Bauchspeicheldrüse sich aber schon davor geplagt hat mit dem Insulin-Aufbau, dann kann es gut sein, dass sie diese größere Anforderung einfach nicht mehr schafft. Dass sie für den jetzigen Bedarf der Frau nicht mehr genug Insulin erzeugen kann.

Da wird dann der Zucker im Blut mehr, die Bauchspeicheldrüse schaffts noch weniger, die Zuckerwerte im Blut werden immer höher und irgendwann nennt man das „Diabetes“.

Besonders stark wirkt sich das aus, wenn eine Frau schon davor im Stadium des „Prä-Diabetes“ war, einer Vorstufe des Diabetes. Wenn also ihr Zuckerstoffwechsel schon etwas gestört war, ohne dass die Laborwerte schon verdächtig auf Diabetes gewesen wären.

Wenn bei ihr das Östrogen weniger wird, daher ihr Insulin nicht so gut an den Zellen wirken kann wie das eben im Wechsel der Fall ist – und wenn gerade ihre Bauchspeicheldrüse schon Schwierigkeiten hatte, genug Insulin herzustellen, dann kann es leicht sein, dass die Drüse mit der gesteigerten Anforderung gar nicht mehr zurecht kommt. Diese Frauen werden Diabetikerinnen.
Dazu ein guter Artikel der deutschen Diabetes-Stiftung, der ein bisschen tiefer geht:
https://www.diabetesstiftung.de

Östrogen und die Form der Frauenkörpers

Östrogene sind auch verantwortlich für die hübschen weiblichen Rundungen eines Frauenkörpers. Also für die schönen Brüste, die schlanke Taille, den kurvigen Hinterteil.

Bauch - Insulin-ResistenzIn den Wechseljahren, wenn das Östrogen weniger wird, neigen Frauen dazu, Fett dort anzusetzen wo es vorher nie ein Problem war. Am Rumpf, rund um den Bauch und leider auch rund um die inneren Organe. Die hübsche kurvige weibliche Form geht über in etwas eher Säulen-Ähnliches – was manche Frauen ganz besonders nervt. „Ich brauch ein Stück Kuchen nur anschauen und schon hab ich morgen mehr auf der Waage!“ 

Das liegt auch daran, dass – leider – unser Körper von Jahr zu Jahr weniger Kalorien braucht, und sein Gewicht zu halte. (Die Zuckertante bedauert dies zutiefst!)

Das beginnt schon in der Mitte der dreißiger Jahre, aber da merkt man es nicht gleich, weil der Effekt zuerst sehr klein ist. Jahr für Jahr brauchen Frauen etwas weniger Kalorien. Wenn sie weiteressen wie gewohnt, muss es ja zu zusätzlichen Kilos kommen –leider am Bauch, die Taille verschwindet. Sie wissen schon: Von Birne zu Apfel…

Bauchfett nicht gut

TortenstückBauchfett ist nicht nur unangenehm, es ist auch noch gefährlich: es produziert Botenstoffe, die in den Fett-Stoffwechsel eingreifen. Und so wird das „gute“ HDL Cholesterin im Wechsel weniger und das LDL, das „schlechte“ Cholesterin ,mehr. Das HDL schützt vor Herzanfall und Schlaganfall, das LDL ist ein starker Risikofaktor. Nicht gut, wenn das LDL mehr wird… Deshalb bekommen Frauen nach den Wechseljahren auch deutlich häufiger Herzinfarkte als davor!

Östrogenmangel macht depressiv

Außerdem kann der Östrogenmangel noch ordentlich aufs Gemüt gehen. Dann ist man gereizt, antriebslos, hat miese Stimmung, Schlafstörungen – keine guten Voraussetzungen um sich um gesundes Essen zu kümmern, regelmäßig raus zu gehen und sich zu bewegen.

So bewegen sich viele Frauen in den Wechseljahren weniger. Sie nehmen leichter Gewicht zu – mehr Kilos brauchen mehr Insulin – die Muskelmasse nimmt ab – auch das macht die Insulin-Wirkung schlechter – die Bauchspeicheldrüse kann nicht so viel Insulin herstellen wie benötigt– im Blut ist zu wenig Insulin – der Blutzucker steigt – > Diabetes!

Östrogen und die Insulin-Produktion

Noch eins: Östrogen macht es der Bauchspeicheldrüse leichter, Insulin zu produzieren und ins Blut abzugeben. Auch dieser feine Effekt geht in den Wechseljahren flöten! Wieder ein kleiner Baustein, der das Auftreten von Diabetes genau in dieser Zeit begünstigt.

Tja keine netten Aussichten.

Was man dagegen machen kann?

  • Wenn möglich, versuchen in den Wechseljahren nicht zuzunehmen, weiterhin Bewegung machen, oder neu damit anfangen. Für Damen, die sich das gar nicht vorstellen können, hab ich hier etwas dazu geschrieben: „Gehen? Einfach nur gehen?“
  • Gesunden-Untersuchung beim Hausarzt machen lassen. Dabei wird der Nüchtern-Blutzucker bestimmt. Leider können die Zuckerwerte nach dem Essen schon zu hoch sein, wenn der Nüchtern-Zucker noch ganz normal ist. Wenn also in der Familie, bei Eltern oder Großeltern, Typ 2 Diabetes unterwegs ist, oder wenn der Nüchtern-Zucker leicht erhöht ist, auch noch den Langzeitwert, das HbA1c oder den HOMA-Index bestimmen lassen . Der HOMA-Index ist ein Maß für die Insulinresistenz.
  • Für Ausgleich, Erholung sorgen!

Und all die anderen Wechsel-Beschwerden?

Da gibt es viele Möglichkeiten, es sich ein bisschen leichter zu machen.

www.frauseele.de

Hormonyoga zum Beispiel, das sind Yoga Übungen, die speziell auf den Hormonhaushalt wirken sollen. Kräuter, Tees, Entspannungs-Übungen… ich kenne zwei Spezialistinnen dafür, zwei tolle Frauen die zum Thema Wechseljahre viele Informationen und Tipps haben: www.frauseele.de Es gibt dort sogar einen Yoga-Kurs für alle, die noch nie Yoga gemacht haben und die sich viel zu steif und ungeschickt und unbeweglich dafür fühlen.

Unbedingt den Newsletter dort bestellen! Der kommt regelmäßig, von den Tipps kann auch die Zuckertante immer wieder etwas lernen – ja manchmal hat sie sich sogar gedacht: „Ach, wenn ich DAS gewusst hätt vor ein paar Jahren…“

PunschkrapferlSie sehen, man kann sich NICHT drauf verlassen, dass der Hausarzt, die Hausärztin im Detail Bescheid weiß. Die müssen sich ja noch mit der Unmenge an Krankheiten auskennen, so richtig detailliertes Wissen über die Wechseljahre ist da nicht zu erwarten. Und beim Frauenarzt ist oft zu wenig Zeit, oder man traut sich nicht recht zu fragen. Da ist es gut, wenns im Netz so gute Anlaufstellen gibt. Grüßen Sie die beiden von mir: www.frauseele.de

Und kommen Sie gut durch die Wechseljahre!

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