Weniger Herzinfarkte und Schlaganfälle - wichtige Diabetes-Studie! - Zuckertante.at

Weniger Herzinfarkte und Schlaganfälle – wichtige Diabetes-Studie!

Diabetes Studie

RufzeichenModerne Diabetes-Medikamente können tatsächlich das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle verringern – das sagt uns eine neue, wichtige Diabetes-Studie.
Das „Abstract“, also die Zusammenfassung der Studie finden Sie hier (englisch).

Worum geht es genau, welche Medikamente können das?

Eine besondere Medikamenten-Familie

Forxiga, Jardiance, Synjardy (Dapaglifozin, Empaglifozin) sind eine Gruppe, eine „Familie“ von Medikamente, die den Zucker senken.
Also Medikamente, die auf dieselbe Art wirken, die aber verschiedene Substanzen sind, so dass es zwischen ihnen Unterschiede geben kann. Es gibt noch einige andere Medikamenten- Familien für Diabetiker, jede hat ihre eigene Wirkweise auf erhöhten Zucker.

Tabletten-HaufenMan nennt diese eine Gruppe von Medikamenten „SGLT2-Hemmer“, das ist sozusagen ihr „Familienname“. Sie sorgen dafür, dass Zucker von den Nieren mit dem Harn ausgeschieden wird, wenn der Blutzucker zu hoch ist. Also „rinnt Zucker mit dem Harn davon“ und der Blutzucker sinkt. Dafür sind sie entwickelt worden, sie können aber noch mehr!

Weniger Herzinfarkte und Schlaganfälle

Mit jedem neuen Medikament werden viele Studien gemacht. Da überprüft man immer wieder, wie und wie gut es wirkt. Natürlich wird dabei auch mit aufgeschrieben, welche Krankheiten die Patienten außer Diabetes noch so hatten und was in den Monaten der Studie passiert.

Und da gab es schon Studien, die gezeigt haben, für Empaglifozin vor allem, dass Diabetiker etwas seltener Herzinfarkte und Schlaganfälle bekommen, wenn sie eins dieser Medikamente nehmen. Das dürfte – neben der Zuckersenkung – ihr großer Vorteil sein. Aber: das heraus zu finden war gar nicht das Ziel dieser Studien. Die haben sich um Senkung des Blutzuckers und des HbA1c gedreht. Die Effekte auf Herz- Kreislauf-Risiko wurden eher nebenher erhoben.

Gut für die Niere

rote BlüteAuch  das wurde in den ersten Studien gefunden: die Nierenfunktion wird mit SGLT2-Hemmern eher besser, das heißt, dass sie nicht schädlich für die Nieren sind, sondern dass die Nieren sogar besser arbeiten, wenn man eins dieser Medikamente nimmt.

Stimmt das alles?

Das war die große Frage, denn:
Was wir bis jetzt noch nicht hatten, war ein „endgültiger“ Beweis für die Nützlichkeit dieser Medikamente was Herzinfarkt und Schlaganfall betrifft. Der ist nun da:

Große „Meta“-Studie im Lancet

Im Lancet, einer der größten und verlässlichsten wissenschaftlichen Journale, ein großer Artikel:
„Wie SGLT2-Hemmer Herzinfarkt und Schlaganfall vorbeugen, bei Patienten, die schon einen hatten und bei Patienten, die noch keinen hatten“

34.322 Patienten!

Von dieser Medikamenten-Familie gab es bisher Studien mit insgesamt mehr als 34.000 Patienten.
Die Studien belegen die Wirksamkeit dieser Medikamente, also dass sie verlässlich den Blutzucker senken. Natürlich wird dabei auch erhoben, ob Teilnehmer einen Herzinfarkt oder Schlaganfall schon davor hatten oder während der Studie bekommen haben. Und: Mehr als die Hälfte der Teilnehmer hatten schon einen Herzinfarkt oder Schlaganfall gehabt.

Alle Studien in einen Topf werfen

Nun wurden die Ergebnisse aus diesen Studien zusammen gerechnet.
Das ist eine sehr gute wissenschaftliche Methode, denn: umso mehr Patienten untersucht werden, desto sicherer hat man dann ein Ergebnis, das wirklich „statistisch abgesichert“ und nicht zufällig ist.

Eine „Meta-Studie“

KaffeetasseDiese Zusammenrechnen nennt man „Meta-Studie“ und es ist gar nicht so einfach:
die verschiedenen Untersuchungen, die es schon gibt, sind ja verschieden aufgebaut, zum Beispiel kann es sein, dass in einer Studie eher ältere, in der anderen eher jüngere Patienten untersucht wurden, oder solche mit mehr oder weniger Vor-Erkrankungen, kürzerer oder längerer Diabetes-Dauer usw. Diese Unterschiede kann man aber „raus rechnen“, so dass man dann trotzdem die Ergebnisse all dieser Patienten zusammennehmen kann.

Also: Mehr oder weniger Herzinfarkte und Schlaganfälle?

Man schaut nach, ob die Patienten, die die echten Medikamente bekommen hatten, weniger – oder mehr – oder gleich viel – Herzinfarkte und Schlaganfälle bekamen als die, die nur ein wirkungsloses „Zuckerpulver“ bekommen hatten.

Halbe-halbe

Prinzipiell gilt: nur wenn man einem Teil der Patienten das „echte“ Medikament, einem anderen Teil der Patienten aber eine wirkungslose Pille gibt, kann man sicher sagen, ob und wie ein Medikament wirkt oder eben nicht.

Möglichst ähnliche Gruppen

BlümchenBei Studien wird sehr viel Aufwand getrieben, um die beiden Patienten-Gruppen so ähnlich wie möglich zu haben: da werden Leute abhängig von Alter, Diabetes-Dauer, Vor-Erkrankungen usw. der einen und der anderen Gruppe so zugeteilt, dass z.B. in beiden Gruppen gleich viele der Patienten schon einen Herzinfarkt hatten – oder Diabetes länger als 10 Jahre – – oder oder… Sie verstehen das Prinzip: man versucht vergleichbare Gruppen zu bilden. Alle diese Unterschiede müssen in einer Meta-Studie auch noch mit ausgewertet werden.

Ergebnisse:

Nun hat man also die Ergebnisse aus all diesen Studien „zusammengerührt“, und das ist dabei herausgekommen:

rote BlüteWeniger „zweite“ Herzinfarkte und Schlaganfälle
Jene Diabetiker, die ein solches Medikament (einen SGLT2-Hemmer) genommen hatten, bekamen:
um 11% seltener wieder einen Herzinfarkt oder Schlaganfall, wenn sie schon vorher einen Herzinfarkt oder Schlaganfall hatten.

rote BlüteWeniger Leute versterben an Herzschwäche.:
Wenn man sich ansieht, wie viele Patienten an einer akuten Herzkrankheit versterben oder wegen Herzschwäche ins Spital mussten während der Studie, dann zeigt sich: bei denen, die das echte Medikament bekommen hatten, war das um 23% seltener! 23%! Fast ein Viertel! Das ist schon was! Dabei war es übrigens egal, ob die Leute davor schon einen Herzinfarkt oder Schlaganfall gehabt hatten.

rote BlüteNierenschwäche wird langsamer schlimmer.
Es stimmt auch, was man auch schon in den ersten Studien gesehen hatten: bei den Patienten, die das echte Medikament bekommen hatten, wurde das Fortschreiten einer Nierenschwäche um 45% abgebremst – auch ein wichtiger und sehr schöner Erfolg!

Was heißt das nun konkret für Diabetiker?

Typ 2 Diabetiker: go for it!

Vogerl startetJetzt ist es ganz klar: das sind wirklich gute Medikamente für Typ 2 Diabetiker, und es zahlt sich aus, eins davon zu nehmen. Eben weil diese Medikamente nicht nur den Zucker senken, sondern auch die oben beschriebenen Wirkungen auf Herzinfarkt, Schlaganfall, Nierenschwäche haben.

Passt es für Sie?

Wichtig ist natürlich immer, dass der Art oder die Ärztin nachdenkt, ob dieses Medikament für Sie passt oder ob es „Gegenanzeigen“ gibt, also Tatsachen, die dagegen sprechen, Ihnen eins dieser Medikamente zu geben. Ein Beispiel dafür wäre eine schwere Nierenerkrankung.

Unangenehme Nebenwirkungen?

Was wirklich unangenehm ist und was bewirken kann, dass Sie so ein Medikament nicht nehmen können: Manche Leute bekommen dadurch, dass immer wieder Zucker im Harn ausgeschieden wird, häufiger Harnwegsinfekte oder Frauen Pilzinfektionen in der Scheide. Wenn das auftritt, ist das Medikament leider nichts für sie! Aber die große Mehrheit der Typ 2 Diabetiker dürfte von diesen Medikamenten wirklich profitieren.

Bezahlt es die Krankenkasse?

In Österreich sind sie gut zu bekommen, sie werden von den Krankenkassen bezahlt. Der Arzt oder die Ärztin muss nur bestätigen, dass Ihr HbA1c bei Beginn der Behandlung über 7% ist und Arzt oder Ärztin muss der Kasse gegenüber versprechen, mindestens alle 6 Monate einen HbA1c-Wert zu machen – das dürfte ja zu schaffen sein!

Zusammenfassung:

BücherIm Lancet erscheint gerade eine große Meta-Studie, die anhand der Ergebnisse von über 34 000 Diabetikern klar zeigt, dass SGLT2-Hemer (Empaglifozin, Dapaglifozin, im Handel als Jardiance, Synjardy, Forxiga) um 23% das Risiko reduzieren, an einer Herzschwäche zu sterben oder wegen akuter Herzprobleme ins Spital zu kommen. Und dass bei Patienten, die schon einen Herzinfarkt oder Schlaganfall hatten, das Risiko, einen 2. zu bekommen, um 11% verringert wird.

Die Zuckertante meint: 
SGLT2-Hemmer sind gute Medikamente. Man muss sich – wie bei jedem Medikament – immer gut überlegen, ob eins von ihnen für einen bestimmten Diabetiker, eine bestimmte Diabetikerin geeignet ist. Wenn ja, helfen diese Medikamente nicht nur mit, den Blutzucker zu senken, sondern sie verringern auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie oben beschrieben.

Und die Typ 1 Diabetiker?

Tja. Derzeit sind diese Medikamente für Typ 2 Diabetiker zugelassen. Natürlich möchten auch Typ 1 Diabetiker sie nehmen, vor allem die, die schon einen Herzinfarkt oder Schlaganfall hatten – da kann man alles brauchen, was das Risiko für einen 2. verhindert!

Eine wichtige Frage

Es gibt da ein Problem: diese Medikamente bewirken ja, dass vermehrt Zucker mit dem Harn ausgeschieden wird, und das umso mehr, je höher der Blutzucker ist. Da kann es vorkommen, dass ein Typ 1 Diabetiker gar nicht merkt, dass sein Blutzucker schon böse entgleist ist, weil er es nicht wie gewohnt an hohen Zuckerwerten im Blut sieht – er bemerkt möglicherweise nicht oder erst sehr spät, dass er am Rand eine Ketoazidose steht. Das ist ein ernstes Problem.

Vorteile?

ReagenzgläserAndererseits – es gibt ja schon Typ 1 Diabetiker, die diese Medikamente nehmen, „off label“ heißt das und wird von erfahrenen Fachärzten manchmal gemacht. Diese Diabetiker sehen meist, dass ihre Blutzuckerwerte sich „beruhigen“, dass Zuckeranstiege nach dem Essen nicht so hoch sind wie davor. Ja, dem kann man auch mit einem richtigen Spritz-Ess-Abstand vorbeugen, und vor allem mit passendem Basal-Insulin. Aber ein längerer Spritz-Ess-Abstand kommt für manche Diabetiker kaum in Frage, wegen eines stressigen Berufs zum Beispiel.

Trotz dieser guten Erfahrungen muss man im Moment für Typ1 Diabetiker noch sehr vorsichtig sein mit diesen Medikamenten. Und irgendwelche Tabletten ersetzen nie eine gute Insulin-Einstellung, und Tabletten sind auch nicht dazu da,  um Fehler auszubessern. Andererseits aknn es gute Gründe geben, auch Typ 1 Diabetikern Tabletten zu geben, das ist ja z.B. bei Metformin auch so. Es wird für die SGLT2-Hemmer auch schon in Studien untersucht, ob sie auch für Typ 1 Diabetiker sicher sind. Warten wirs ab!

Alles in allem hab ich Ihnen hier gezeigt, was in einer wichtigen neuen Studie drinnen steht.

Ich habe versucht, es verständlich zu erzählen, ist mir das gelungen?

Bitte schreiben Sie mir einen Kommentar dazu, gleich hier unten, und gerne auch weitere Fragen!

6Kommentare
Ilse Hrach - 9. Januar 2019

Vielen Dank für die Schilderung dieser META-Studie. Nun ist mir klar, daß es anscheinend am XIGDUO liegt, daß ich ständig mit Pilzinfektionen und Entzündungen konfrontiert bin. Mit diesem Medikament (2x tgl) ist es mir allerdings gelungen, mein Gewicht zu reduzieren (ca. 11 kg seit 1.4.2015) und es auch zu halten. Der letzte Hba1c liegt bei 6,5.
Gibt es für mich ein anderes Medikament aus dieser Gruppe, das weniger Nebenwirkungen hat?
Mfg Ilse Hrach

Antworten
    Susanne Pusarnig - 25. Januar 2019

    11 kg weniger! Ich gratuliere, das HbA1c ist ja auch sehr gut.
    Leider wirken die Medikamente aus dieser Gruppe alle auf dieselbe Art, also werden Sie mit jedem dieselben Probleme haben.
    Ihr Xigduo ist ja eine Kombi-Tablette aus Dapaglifozin und Metformin. https://www.zuckertante.at/x/
    Vielleicht bliebe die Einstellung jetzt mit 11 kg weniger genau so gut, wenn Sie nur Metformin nehmen?

    Antworten
Irene - 26. Januar 2019

Ich lese immer, heute melde ich mich einmal:
Mein Hausarzt hat mir das Synjardi verschreiben. Ich nehme nicht gerne Medikamente, nur an das Metformin habe ich mich schon gewöhnt. Ich wollte eigentlich nichts Neues.
Durch Ihren Artikel bin ich jetzt beruhigt! Mein Vater und meine Mutter sind beide am Herzinfarkt gestorben, davor hab ich schon Angst. Da scheint ja das Synjardi gut zu passen.
Danke für Ihre Aufsätze, die ich immer sehr gerne lese!

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    Susanne Pusarnig - 26. Januar 2019

    Danke für Ihr Lob!
    ja, wenn es in Ihrer Familie so viele Herzinfarkte gibt, verstehe ich Ihre Sorge gut, denn dann haben Sie tatsächlich ein höheres Risiko. Aber Sie können einiges dagegen unternehmen: das Wichtigste ist sicher, dass Ihr Blutdruck gut eingestellt ist, auf verlässlich unter 140/80 und dass Ihr LDL-CHolesterin unter 70 ist, das geht leider meist nur mit Tabletten.
    Und eine gute Diabetes-Einstellung, da würde ich auf jeden Fall ein HbA1c unter 7 anstreben.
    Mit dem Synjardy nehmen Sie eins der derzeit besten Medikamente , um Ihr Risiko zu verkleinern. Dazu noch ein bisschen Bewegung, Freude an Schönem, nette Erlebnisse die Ihnen einfach gut tun… Alles Gute
    wünscht die Zuckertante

    Antworten
egal - 26. Januar 2019

das ist so ein typischer Pharma Artikel, sie werden ganz gut dran verdienen werbung für den dreck zu machen? Wetten dass Sie sich nicht trauen das zu veröffentlichen? von natürlicher behandlung der zuckerkrankheit haben sie wohl noch nie was gehört!

Antworten
    Susanne Pusarnig - 26. Januar 2019

    Sehr geehrter Herr oder Frau „egal“ mit der Email Adresse „asdf@asd.at“ – denn das haben Sie als Name und Adresse angegeben:
    Sie finden auf den Seiten der Zuckertante vieles zu gesunder Ernährung bei Diabetes und zu Bewegung – jeder Diabetiker bemüht sich wohl darum, damit seinen oder ihren Blutzucker zu behandeln,und oft reicht das ja auch, das ist dann besonders fein. Aber Typ 2 Diabetes ist eine Krankheit, die mit der Zeit schlechter wird, die „fortschreitet“. Auch bei bester Diät, Bewegung … kommt für viele Diabetiker die Zeit, in der sie doch Tabletten brauchen. Da finde ich es interessant zu wissen, dass es Tabletten gegen hohen Blutzucker gibt, die auch noch günstige Neben-Effekte aufs Herz-Kreislauf-Risiko haben!
    Ich werde auch weiterhin interessante Studien hier so erzählen, dass die Ergebnisse gut zu verstehen sind.
    Nebstbei: die „natürlichste“ Behandlung des Diabetes, wenn Diät und Bewegung nicht ausreichen, ist es doch, einfach Insulin zu spritzen, also dem Körper das Hormon zu ersetzen, das ihm fehlt – interessanterweise möchten das viele Diabetiker dann doch nicht so gerne tun und greifen vorerst doch auf Tabletten zurück.
    Die Zuckertante grüßt
    und wünscht allzeit gute Werte

    Antworten
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